Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 654 (sequence 14)
- Language
- German
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654 Die neueste» Aufstellungen über Moses und sein Werk. Fremdling eingeschärft haben; daher kennt auch das sonst hochentwickelte Hamurabigesetz eine solche Bestimmung nicht. Moses Religionsstiftung, die ein Bruch mit der ganzen Vergangenheit bedeutete, geschah durch einen geschiehtliehen Akt Bei den andern Propheten, die eben keine neue Religion gestiftet haben, ist bei ihrer Einführung ein soleher Akt nicht erwähnt. Die Propheten lebten in komplizierteren Kulturverhältnissen, daher war auch ihre religiöse Vorstellung komplizierter. Außerdem hatten die Propheten gegen eine verfallende Nation zu kämpfen, dadurch wurde ihre religiös-sittliche Kraft außerordentlich gesteigert und sichtbar. »Aber gegenüber dem, der diese religiös-sittliche Kraft in das Volk Israel und damit in die ganze Menschheit einführte, sind sie eben doch nur die Fortsetzer, nicht die Neuschöpfer; sie sind diejenigen, die die göttliche, durch Moses vermittelte Gabe durch ihre goldenen Worte für alle Welt in menschliche Münze umsetzten. Weder ist es so, daß die eigentliche Gotteskraft in Israel erst mit Arnos anfing, noch so, daß sie zwar mit Mose anfing, aber wieder verloren ging und dann mit Arnos aufs neue anhub, noch so, daß sie mit Moses im schwachen Maße begann und erst mit Arnos ins volle Leben trat, sondern es ist so, daß sie mit Mose wuchtig und schöpferisch einsetzte, in neuen Verhältnissen immer wieder neu verteidigt, von den Schriftpropheten dann gewaltig behauptet, im Existenzkampf festgehalten, vertieft und für alle Zeit leibhaftig gemacht wurde. Daß diese Auffassung des Verhältnisses zwischen Mose und den Propheten nicht bloße Geschichtskonstruktion, sondern geschichtliche Tatsache ist, das beweist uns eben die zwischen Mose und den Propheten liegende Periode«. »Immerhin ist es nicht erlaubt, Moses den Schöpfer, die Propheten bloß die Reformatoren zu nennen. Denn es liegt im Charakter der israelitischen Religion, daß der allei-