Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 652 (sequence 12)
- Language
- German
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652 uie neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk. gehören, wird man, sagt Volz, zur Überzeugung genötigt, daß der monotheistische Gottesbegriff und dessen hohe Sittlichkeit schon in den Jahrhunderten lange vor Amos und Hosea von den bessern Teilen des isr. Volkes vollständig erfaßt war- Der Begründer dieser neuen, der ganzen alten Welt widersprechenden Begriffe kann nur der Mann gewesen sein, auf welchen sich sämtliche erleuchtete Geister dieser Jahrhunderte voll und ganz berufen. Es bedurfte eines mehrere Jahrhunderte währenden Prozesses und Kampfes bis diese von Moses gegründete neue JHW-Liga — wie sie Volz bezeichnet — in der allgemeinen, schon aus vormosaischer Zeit stammenden halbheidnischen JHW- Religion sich einige Geltung verschaffte. Es hat daher in vorprophetischer Zeit nicht bloß der aus vormosaischer Zeit bekannte grobe Gottesbegriff des lokalen JHW bestanden, sondern auch der von Moses neuentdeckte monotheistisch-ethische Gottesbegriff, der mit dem ersteren —׳־ wie dies auch bei andern neugestifteten Religionen der Fall war — Jahrhunderte hindurch einen schweren Kampf zu bestehen hatte, und grade dieser zirka 8/4 Jahrtausende währende Kampf zwischen Licht und Finsternis hat die Propheten erzeugt Der Gott des Moses war, nach den Zeugnissen der vorprophetischen Literatur, kein Dämon, der nur gefürchtet wurde, sondern ein guter, liebevoller Gott, eine sittliche Persönlichkeit mit freiem sittlichen Willen, die nicht nach Willkür, wie die Naturgötter, sondern nach sittlichen Gesetzen handelt. Ein Gott, auf welchen man nicht durch sittlich indifferente, oder gar unsittliche Mittel — wie bei allen alten Göttern — einwirken kann, auch nicht durch Askese und Selbstverstümmelung (vgl. Elias im Gegensatz zu den Baalspriestern auf dem Karmelberge), sondern lediglich durch ethisches Denken und Handeln. Er ist nicht wie die Spezialgötter — der Fruchtbarkeit, des Herdfeuers u. dgl. — des Menschen wegen da, sondern er hat für