Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 648 (sequence 8)
- Language
- German
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648 Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk. griff der Erwählung Israels aus allen Völkern der Erde reicht selbst nach der radikalsten Bibelkritik sehr, sehr weit in die vorprophetische Zeit hinauf; denn des Arnos mahnender Spruch »nur euch habe ich erkoren aus allen Familien der Erde« (3,2) ist jenen Zeitgenossen etwas Allbekanntes. Trauten aber jene vorprophetischen Israeliten ihrem Gotte zu, daß er unter allen Familien der Erde eine Auswahl treffen könne, so hatte er auch über die ganze Welt zu verfügen und war daher universell. Der vorprophetische Elohist gebraucht seinen Lesern gegenüber für Gott keine andere Bezeichnung als »Elohim Gott«. Ein Lokalgott dagegen müßtej im Gegensatz zu den andern Göttern, einen Eigennamen haben. Daß aber auch J. trotzdem er den Eigennamen gebraucht, ein überzeugter Monotheist war, haben diesbezügliche Speziafuntersuchungen der radikalsten Forscher mit aller Evidenz ergeben. Die vorprophetische Darstellung der Urzeiten — Genes, c. 2—11 — ist durchaus monotheistisch und universalistisch. Am deutlichsten zeigt sich die lntensität der monotheistischen Anschauung in der läuternden Bearbeitung der mythologischen Partien, deren fremder Ursprung sofort erkennbar ist. Das ethisch-religiöse Moment ist hier überall ohne Ausnahme obwaltend; alles Übel und jegliches Unglück ist lediglich eine Folge der Sünde, und nicht Gotteslaune. Durchaus universalistisch muß man sich Gott in jener vorprophetischen Zeit gedacht haben, wenn man sich von ihm erzählte, daß der Philistäerkönig zu ihm betete (l. M. 20, 3 ff.), daß Abrahams Knecht auch in dem entfernten Mesopotamien von ihm Hülfe erhielt, daß er in Ägypten Pötiphars Haus segnete, den Joseph dort rettete, ja überhaupt das ganze Ägypterland in seiner Hand hatte. Nach der noch weit über J. und E. hinaufragenden Bileam-Episode kennt selbst dieser mesopotamische Prophet nur den Einen Gott, und schon das Bundesbuch, welches selbst von der ex-