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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 6 · p. Seite 647

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 6
Article
Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk
Date
1909-01-01
Page
Seite 647 (sequence 7)
Language
German
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Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk. 647 Schätzung der Propheten, indem man, durch ihrhellstrahlendes Licht geblendet, ihnen schließlich alles zuschreiben möchte, und dadurch mit dem eigenem Grundprinzipe, dem Prinzip der Entwicklung, in einen unlösbaren Widerspruch gerät; denn wenn die Kritik lediglich von evolutionistischen Prinzipien aus ein unvermitteltes Auftreten des Moses nicht für zulässig erklärt, hinterher aber alle Rollen Mosis den auch ohnedies so plötzlich aufleuchtenden Arnos und Hosea zuerteilt, so wird doch gerade dadurch dasselbe Entwicklungsprinzip bei diesen letzteren Propheten in eben derselben scharfen Weise durchbrochen. Außerdem übersieht die Kritik, daß bei der Elimination der mosaischen Tätigkeit die hochentwickelten religiös-sittliehen Anschauungen der den genannten Schriftpropheten vorangegangenen Partien von J. und E. und des von ihnen verarbeiteten noch ältern Materials dann ganz unerklärlich bleiben. Wohl sind die vielen heidnischen Elemente im vorprophetischen Israel mit Händen zu greifen, aber auch das viele, alle andern Religionen weit überragende Hohe und Edle, welches die Redaktionen von J. und E. bei ihrem Publikum schon voraussetzten, muß doch einen Ursprung gehabt haben. Wohl erscheint in der vorprophetischen Zeit der israelitische Gott bei vielen nur als Lokalgott Palästinas, aber ein wirkliches Heidentum würde doch, wie bei allen Völkern, außer dem Lokalgott auch sonstige Götterscharen aufzuweisen haben. Dies kann aber von Israel in keiner Weise behauptet, geschweige denn bewiesen werden. Das zeitweilige Sichhinreißenlassen zum Kultus eines Nachbarvolkes kam in der nachprophetischen Zeit nicht minder vor, und beweist umsomehr die Beschränkung Israels auf seinen einzigen Gott, selbst in den Kreisen, wo er nur 10kalen Charakter besessen haben mag. Dieser Verabscheuung der Vielgötterei in Israel, der bei den andern Völkern trotz ihrer Lokalgottheiten ganz undenkbar ist, muß aber ein läuternder religiöser Prozeß vorangegangen sein. Der Be-

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