Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 646 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829826-2889587--37419-2889630- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
646 Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk* begegnen. Zunächst darum nicht, weil der Rahmen unserer Umschau das Eingehen״auf Einzelheiten nicht gestattet. Dann aber hauptsächlich deswegen nicht, weil wir die Voraussetzungen Ed. Meyers, die einen rein subjektiven Charakter aufweisen, mißbilligen müssen. Auf Grund unserer stets zunehmenden Kenntnis der orientalischen Religionsgeschichte erweist sich nämlich die sogenannte »vorprophetische Literatur Israels« immer mehr als gleichzeitige historische Überlieferung. Und »sobald wir festen historischen Boden unter den Füßen haben«, lehrt der Meister1) selber, ist die Überlieferung als das anzuerkennen, was sie ist, als Bericht über einen historischen Vorgang. Es ist zu erweisen, daß sie unhistorisch ist, nicht umgekehrt. Wir stellen vielmehr sogleich dieser Meyer’schen Moses-Studie eine andere, ebenfalls zu den allerjüngsten Literaturerzeugnissen gehörende Moses-Monographie gegenüber, die schon darum das größte wissenschaftliche Interesse beansprucht, weil ihr sehr berühmter und vielseitig verdienstvoller Urheber seit vielen Jahren zu den radikalsten Vertretern der Wellhausen’schen Schule gehört. Der Tübinger Exeget Paul Volz unterzieht die Auf- Stellungen der radikalkritischen Schule, der er selbst angehört, einer strengen Revision, bei der er, wie zwei Jahre vorher der seinen Lehrern ebenfalls untreu gewordene sei. Bäntsch in Jena, zur Überzeugung gelangt, daß die extremradikalen Methoden sich nicht sowohl auf die Literatur stützen, als vielmehr die Literatur ihren Methoden unterordnen. Und zwar findet er die Grundfehler jenes Verfahrens einerseits in dem Umstande, daß die Kritik bei der Beurteilung der vorprophetischen Periode gar zu sehr die Anschauungen der Tieferstehenden, nicht aber die der führenden Geister beachtet, und andererseits in dem unwillkürlich en Hange zur Über- *) Ed. Meyer, Die Entstehung des Judentums, Halle a. S. 1896, S. 7.