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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 6 · p. Seite 642

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 6
Article
Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk
Date
1909-01-01
Page
Seite 642 (sequence 2)
Language
German
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642 Die neuestea Aufstellungen über Moses und sein Werk. liten also bis in die prophetische Zeit hinein noch gar nicht im Besitze einer fixierten, als geoffenbart geltenden Religion gewesen sein, sondern, ganz wie ihre semitischen Nachbarn, lediglich herkömmliche Sitten und Stammesgebrauche besessen haben, nach denen sie ihr Leben regelten, und die von ihnen, wie auch noch von den heutigen Beduinen jener Länder, streng gehandhabt wurden. Da nun Moses, in scharfem Gegensatz zu den Stiftern der beiden Tochterreligionen des Judentums, auch in der biblischen Tradition ganz hinter sein Werk zurücktritt, so ist es nicht zu verwundern, daß bei den Kritikern, die Moses Werk nahezu nullifizieren, sein Geschichtsbild bis zur Unkenntlichkeit verschwimmt und bei etlichen sogar fast ganz verschwindet. Zu ähnlichen Schlußfolgerungen ist nun jüngst auch der berühmte Geschichtsschreiber Ed. Meyer in seinem neuerdings (1906) erschienenen großen Buche »Die Israeliten und Ihre Nachbarstämme« gelangt und hat der schon vor Jahrzehnten von einzelnen Kritikern verteidigten Behauptung von der Ungeschicklichkeit der Person Mosis eine neue wissenschaftliche Grundlage zu geben versucht. Mit Hülfe einer neu konstruierten Quellenanalyse der pentateuchischen Moses-Partien gelingt es ihm, die sögenannten älteren Moses-Erzählungen so weit zu beschneiden, daß die Person unseres Lehrers sich ganz in den Sagendunst verflüchtigt und in nichts auflöst. Seine Methode gründet sich auf eine Zerlegung der diesbezüglichen Partien in drei verschiedene, zeitlich von einander sehr abstehende Schichten, deren ältester irgend eine Beziehung Moses zu Ägypten oder auch nur zu den aus jenem Lande gekommenen Israeliten ganz unbekannt gewesen sein soll. Aber auch die Zweitälteste Quelle, die Moses zum Befreier seines Volkes aus Ägypten macht, läßt in den Unterhandlungen, die er mit den ägyptischen Königen führt, keine Spur davon erkennen, daß er

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