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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 5 · p. Seite 623

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1909-01-01
Page
Seite 623 (sequence 7)
Language
German
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Besprechungen. 623 lehrt, die dem gegenübergestellten Lehren der Apostolischen Väter hingegen nur in ganz wenigen Punkten. Es wird jeden Juden recht fremdartig berühren, zu lesen, daß »das Wirken Qottes auf die Welt nach jüdischer Auffassung durch Hypostasen vermittelt gedacht wird, speziell durch Engel« (S. 294), daß »nach jüdischer Psychologie das Innere des Menschen ein Tummelplatz böser Geister« ist (S. 315 vgl. S. 321 u.), daß die Buße im Judentum zu den guten Werken gerechnet wird (S. 331), daß die Ehelosigkeit in jüdischen Kreisen hochgeschätzt wird (S. 334 Anm.), daß nach jüdischer Auffassung »die Furcht das Höchste ist, was der Mensch erstreben und besitzen kann« (S. 337), oder gar, daß »der Rabbi der Mittler zwischen Gott und den Menschen ist« (S. 373)! Der Verfasser wird darauf mit den Belegstellen erwidern, die er beigebracht hat. Gewiß alle diese Anschauungen kann man hie und da in Schriften finden, die Juden zu Verfassern haben; einzelae Juden haben so gedacht, »das« Judentum aber niemals solches gelehrt. Die Belegstellen des Verfassers stammen auch fast ausnahmslos aus dem pseudepigraphischen Schrifttum, wenige aus der hellenistischen Literatur. Was S. 277—29() von dem Verhältnis der Apostolischen Vater zur jüdischen Tradition gesagt ist, bezieht sich fast ausschließlich auf die Apokryphen und Pseudepigraphen. Gerade das, was von außen durch den Synkretismus in jüdische Kreise hineingetragen wurde, wird hier als jüdisch betrachtet. Die offiziellen Kreise haben dieses Schrifttum abgestoßen, weil es nicht ihre Anschauungen waren, die darin Ausdruck fanden. Auch wenn ein Satz im Talmud steht, ist er nicht immer maßgebend für das, was das Judentum lehrt. Für den Ausspruch »das Verdienstliche beim Fasten besteht im Almosengeben« (S. 334) darf nicht das Judentum verantwortlich gemacht werden, sondern nur der Autor, Mar Sutra (Ber. 6 b), ein babylonischer Amoräer um 400. Ebensowenig ist die Ausdrucksweise בכור שטן Jeb. 16 a, selbst wenn der Text über allen Zweifel erhaben wäre, ein Beleg für den Glauben an den Teufel. Man darf eben nicht jede Redensart, jeden Ausspruch eines Juden oder einer von einem Juden verfaßten Schrift als das Judentum oder als jüdische Lehre ausgeben, ebensowenig wie man »das« Christentum nach einem einzelnen Literaturwerke oder den Äußerungen einzelner kirchlicher Lehrer beurteilen wird־ — Im vierten Kapitel, wo Christentum und Judentum gegenübergestellt werden, scheint es mitunter, als hätte der Verfasser alles Gute vergessen, das er dem Judentum noch im ersten nachzusagen wußte. Das rührt von der modernen Betrachtungsweise her, die sich ein Idealbild des Christentums zurecht macht und dieses in schroffen Widerspruch zum Judentum stellt, hingegen alle minderwertigen Elemente, die sie im Christentum bis zur Entstehung der kath. Kirche erblickt, auf den

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