Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 622 (sequence 6)
- Language
- German
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622 Besprechungen. haft ׳erregter Phantasie, denen es nicht genügte zu glauben, daß Gott hilft und erlöst, die vielmehr die Hilfe gewaltsam herbeiziehen, ihre Zeichen herankommen sehen wollten. Und noch eins, Der Partikularismus innerhalb des Judentums, namentlich in seiner Zukunftshoffnung, hatte ja gerade in diesen Kreisen seine Vertreter. Im pseudepigraphischen Schrifttum ruht die Hauptquelle für die Überspannung der Zukunftshoffnungen in nationalistischem Sinne und die scharfe Gegnerschaft gegen die Heiden; ich kenne keine Äußeruug der offiziehen jüdischen Lehrer bis 150, die dem an die Seite gestellt werden könnte. Eine solche Schroffheit kennen die Rabbinen nicht, wenn man auch in ihren Kreisen niemals auf die Prärogative des jüdischen Volkes verzichtet hat, auch den Heiden gegenüber nicht verzichten zu können glaubte. Aber unbedingter Universalismus ist ein Ideal, zu dem nur sehr wenige Auserwählte sich erhoben haben, das auch in der Geschichte der christlichen Völker recht selten vertreten wurde. Das Wort des Paulus, auf das der Verfasser sich beruft, Gal. 3, 28 »hier ist weder Jude, noch Grieche« usw, (S. 77), ist, das soll man nicht übersehen, von einem mit seinen Ideen ziemlich isoliert stehenden Manne gelegentlich der Propaganda gesprochen worden, aber niemals allgemeine christliche Anschauung gewesen. Das Christentum mag die alten partikularen Grenzen überschritten haben, aber es hat neue geschaffen, indem es den Universalismus des Heils und der Erlösung nicht bedingungslos gewährte, sondern an den Glauben »an die durch Christus begründete Gemeinschaft mit Gott« gebunden erklärte. »Die, welche an Christus glauben, sind von der Knechtschaft der Sünde befreit; sie sind der Gotteskindschaft durch den Geist gewiß und haben ewiges Leben«, so schreibt der Verfasser S. 177. Clemens macht er zum Vorwurf, daß er die Rechtfertigung unmittelbar von Gottes Allmacht und Güte ableitet. »Man vermißt den Gedanken, daß durch den Tod Jesu die Rechtfertigung erst möglich geworden ist« (S. 313). Das ist wohl streng pauilnisch, aber von Universalismus weit entfernt. Die verfehlte Anschauung über die Richtungen im Judentum, über das, was im Judentum wurzelhaft und was fremdartig ist, hat ihre weitgehenden Konsequenzen; sie beeinflußt das ganze umfangreiche vierte Kapitel. Ich habe bereits erwähnt, daß dieses zum ersten Male umfassende systematische Untersuchungen über die Quellen der Anschauungen der »Apostolischen Väter« enthält, besonders über ihren Zusammenhang mit dem Judentum. Aber was der Verfasser da alles als Judentum betrachtet, ist doch recht seltsam. Die Aufstellungen, die am Anfang der Abschnitte als Extrakt der christlichen Anschauungen gemacht werden, stimmen vielfach mit dem überein, was das Judentum