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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 5 · p. Seite 621

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1909-01-01
Page
Seite 621 (sequence 5)
Language
German
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Besprechungen. 621 da sollten wir ausschließlich nach solchen Äußerungen über ihren Charakter und ihre religiöse Stellung urteilen! Was der Verfasser von den Mängeln der christlichen Überlieferung sagt, gilt auch für die jüdische, darum müssen für die Beurteilung jüdischer Persönlichkeiten auch die gleichen Maßstäbe angelegt werden. Auch ihnen darf man religiöse Ideen nicht absprechen, weil sich Äußerungen von ihnen nicht vorfinden; unsere Quellen sind oft lückenhaft. Man muß die Männer aus ihrer Geschichte heraus beurteilen, sich gegenwärtig halten, daß sie eine Religion durch eine der schwersten Krisen retteten, Jahrhunderte zur Frömmigkeit erzogen, zum Martyrium befähigten. Durch die unberechtigte enge Anschauung vom »Gesetz« ist auch die verkehrte Einteilung der Richtungen innerhalb des Judenfums bedingt. Der Verfasser unterscheidet die pharisäische, hellenistische und apokalyptische Richtung, aber seine Unterscheidungsmerkmale zeigen, daß diese Einteilung unbegründet ist. Wenn von der hellenistischen Richtung S. 40 gesagt wird ג »Es ist . , . nicht nur von Gesetzesgerechtigkeit die Rede, sondern allgemein von Frömmigkeit und Gottesfurcht,« so läßt sich genau dasselbe von den Pharisäern beweisen, das war völlig ihr Ziel. Die Apokalyptiker waren gewiß nicht Gegner des Pharisäismus; sie haben nur einen Punkt der pharisäischen Lehre besonders betont und ausgebildet: die Zukunftshoffnungen. Die Grundüberzeugung, die hoffnungsvolle Stirnmung, den Glauben haben die Apokalyptiker aus der pharisäischen Lehre, Die Ausbildung, die sie ihr gaben, bedeutete indessen keinen Fortschritt. »Man sah in der Apokalyptik ein dem jüdischen Geist fremdes Geistesprodukt . . . Später haben die offiziellen Kreise die apokalyptische Literatur verboten« (S. 43). Leider trifft das nicht ganz zu. Das Buch Daniel gehörte nun einmal dem Kanon an, im Talmud und Midrasch fanden sich im Anschluß daran weitgehende eschatologische Darstellungen, vielfache Ausmalungen der Zukunft, Produkte einer ausschweifenden Phantasie. Die offiziellen Kreise hatten für diese Ausmalungen wenig übrig, sie wollten nicht die Gemüter erregen, nicht die Messiashoffnung als eine weltliche darstellen, sie verwarfen die leidensch ältliche n Messiasberechnungen (vgl. auch S. 54). Aber denMessianismus als Grundpfeiler der Religion hat das offizielle Judentum niemals auf gegeben. In den Synagogen wurde den Messiashoffnungen dauernd Ausdruck verliehen, jede Predigt schloß mit einem eschatologischen Ausblick. Die Apokalyptiker erfreuen sich in der modernen Literatur einer gewissen Beliebtheit, es sind die Kreise, in denen das Christentum zuerst Eingang gefunden hat. »Die Stillen im Lande« wareiraber, nach den Apokalypsen zu schließen, recht unruhige Leute, mibkrank-

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