Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 619 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 619 jüdischen Quellen und der neueren jüdischen Literatur sowie die Wertung des Judentums durch den Verfasser. Da muß von vornherein anerkannt werden, daß das Verfahren unseres Buches sich von dem anderer Werke auf diesem Gebiete rühmlich unterscheidet. »Der Vorwurf, daß die Gelehrten christlichen Bekenntnisses bei den Fragen, welche die Geschichte des Urchristentums betreffen, von jüdischen Studien keine Notiz nehmen, ist teilweise nicht unberechtigt« (S. IV). Der Verfasser hat den Arbeiten jüdischer Gelehrter wie der alten rabbmischen Literatur, trotz der großen Schwierigkeiten ihrer Benutzung, im weitesten Umfange seine Aufmerksamkeit geschenkt Dementsprechend ist auch das Urteil über das Judentum nicht das übliche, in der Literatur verbreitete, das Bild nicht das bekannte, einseitig unfreundliche, vielmehr zeigt sich überall das Bestreben, Licht und Schatten in gerechter Weise zu verteilen, der Tadel wird nicht unterdrückt, aber auch Anerkennung nicht versagt. Der Verfasser zeichnet einleitend (S. 20) in kurzen, zutreffenden Zügen das Wesen des Judentums, er rühmt die religiöse und sittliche Grundstimmung innerhalb des Judentums (46—52); er weiß, daß im Judentum nicht nur der Geist der Thora wach war, sondern auch der der Propheten (S. 31), daß Esra den Universalismus nicht verdrängt hat (S. 46), daß Jesu Wort im Einklang mit der Verkündigung der Propheten steht (S. 177) u. v. a. m. Die Probleme des Partikularismus, des Am ha-Arez (S. 44 ff.) finden eine quellenmäßige, weit mildere Beurteilung als sonst. Ich verweise auf S. 33, S. 51 ff., S. 58 f., wo das Streben des Verfassers, den Quellen gerecht zu werden, besonders deutlich wird. So viel Anerkennung diesem Streben gebührt, so zeigt das Buch doch, wie schwierig, ja fast unmöglich es ist, eine Religion lediglich aus literarischen — und dazu fragmentarischen — Quellen zu beurteilen, besonders wenn man persönlich einen gegensätzlichen Standpunkt einnimmt. Der Verfasser nimmt seinen Ausgang von paulinischen Gedanken, das ist sein gutes Recht, aber es versperrt ihm in wichtigen Fragen die richtige historische Erkenntnis. Wir wollen das an einigen Punkten erörtern. Da ist zunächst wiederum das unglückselige »Gesetz«. Der Verfasser weiß, daß Thora und v6jaos Gesetz sich nicht decken, aber er kommt von der herkömmlichen Beurteilung doch nicht ganz los und sucht auf einem Umweg die Identifizierung aufrecht zu erhalten (S. 45), und zusammenfassend schreibt er nach altem Muster: Im Judentum ist die Religion nichts anderes als Gesetzeserfüllung (S. 372). Hätte er nur seine eigene gute Sammlung der Stellen bei Josephus (S. 68) überschaut, so wäre er über die Unmöglichkeit der Qleichsetzung nicht im unklaren geblieben. Man übersetze ein-