Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein jüdischer Proselyt (?) auf dem Thron von Byzanz
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 579 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein jüdischer Proselyt (?) auf dem Thron von Byzanz. 579 an. Allerdings hat sein Geist ihre Lehren nicht rein bewahrt, sondern gewissermaßen in einen Mischmasch des Unglaubens verdreht, indem er das Christentum verunechtete und das Judentum verfälschte. Dieser Vorwurf, den ihm unser Gewährsmann macht, zeigt immerhin, wie tiefen Eindruck die in der Jugend eingesogenen mosaischen Lehren auf einen Mann gemacht hatten, der im übrigen als einfacher und derber Landjunker geschildert wird; denn ein Bauer kann Michael nicht gewesen sein, sonst hätte ihm trotz aller Empfehlungen *und Prophezeiungen schwerlich der Provinzialstatthalter seine Tochter zur Frau gegeben, womit die Karriere des künftigen Kaisers begann, zu einer Zeit, als er bereits über die Jünglingsjahre hinaus war. Auf Pferde verstand sich Michael vortrefflich, den Kühen sah er an, ob sie reichlich Milch geben. Seiner Kenntnis der Landwirtschaft rühmte er sich noch als Kaiser mit größerem Stolz als des Diadems; dagegen war er nicht erfahren in den Künsten der Logik und fließenden Rede. Daß er bei Disputationen mit den Hoftheologen den kürzeren zog, ist wohl glaublich; von seinen Überzeugungen ließ er deswegen nicht ab. Bald nach seinem Regierungsantritt verfügte er die Beobachtung der Sabbatruhe. An die zukünftige Auferstehung und die ihr folgende Freuden glaubte er nicht; vom Teufel wollte er gar nichts wissen, da Moses über diesen nichts mitteile. »Die Hurerei umarmend« (ein für den Standpunkt des Berichterstatters charakteristischer Ausdruck), verordnete er, daß Eide nur bei dem einen Gott allein, der über alles ist, geleistet werden sollen. Judas rechnete er zu den »Gerechten«, und über das Fest des Erlösers, Ostern, spottete er, daß es schlecht und nicht zur rechten Zeit gefeiert werde. Die Musterkarte der Ketzereien zeigt, welch Geistes Kind Michael war, und warum die Juden »von ihm geliebt und geschätzt wurden und er sie allen anderen Menschen vorzog«. Die Behauptung, daß er weltliche und geistliche Gelehrsamkeit verachtete und die ״37