Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein jüdischer Proselyt (?) auf dem Thron von Byzanz
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 580 (sequence 4)
- Language
- German
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580 Ein jüdischer Proselyt (?) auf dem Thron von Byzanz. Kinder in ihr zu unterrichten nicht erlauben wollte, wird mit Vorbehalt aufzunehmen sein. Seinem Sohne und Nachfolger wenigstens ließ er eine vorzügliche Erziehung zuteil werden; eben nur die dialektischen Spitzfindigkeiten der Griechen waren wohl seinem gesunden Menschenverstand zuwider. Was unsere Quelle über Michael II. berichtet, ist aus Schmähschriften gegen ihn entnommen, die aus der Erregung der orthodoxen Partei über sein Verhalten hervorgegangen und also gleichzeitigen Ursprungs gewesen sein müssen. Später hätte man kein Interesse mehr daran gehabt, und der Haß macht scharfblickend. Nichts von allem, was da behauptet wurde, erscheint unmöglich oder auch nur unwahrscheinlich. Im Streit der Bilderbekämpfer und Bilderverehrer ist von der militärischen Laufbahn her ein Mann auf den Thron von Byzanz gelangt, der angesichts der Verhältnisse sich nicht offen zum Judentum bekannte, in dessen Lehren er erzogen war, der aber aus seiner Hinneigung zu ihm keinen Hehl machte. Es ist etwa dieselbe Zeit, in welcher der Chazarenkhan zum Judentum übertrat, während am Hofe des Kaisers im Westen, des Karolingers Ludwigs des Frommen, judaisierende Neigungen zur Geltung kamen, die auch sonst im Abendlande verbreitet waren. Für die Juden des byzantinischen Reichs dürfte die Herr- Schaft eines Kaisers, der ihnen so hold gesinnt war, daß er sie selbst von den Steuern befreit haben soll, ungemein bedeutungsvoll gewesen sein als eine Epoche der Ruhe zwischen den Verfolgungen, denen sie früher und später sich ausgesetzt sahen, und was den Einfluß anbetrifft, den sie auf die Welt des Ostens übten, so wäre wohl noch mancherlei aus der weitschichtigen, jedoch nach diesem Gesichtspunkt hin noch wenig durchgearbeiteten byzantinisehen Literatur zu ermitteln.