Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein jüdischer Proselyt (?) auf dem Thron von Byzanz
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 578 (sequence 2)
- Language
- German
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578 Ein jüdischer Proselyt (?) auf dem Thron von Byzanz. Michael stammte aus Kleinasien; er war geboren zu Amorion, einer Stadt des oberen Phrygien, die nach seinem Tode, 838, von den Muhammedanern zerstört worden ist. In Amorion wohnte eine Menge Juden und »Athinganen«, so berichtet wörtlich der Portselzer des Theophanes, und es war dort aus der Gemeinschaft und dem beständigen Verkehr eine Sekte entsprossen mit neuen Gebräuchen und Lehren, an der Michael selbst Anteil hatte, da sie auf ihn von seinen Vätern überkommen war. Diese Sekte nun erlaubte, daß »die heilige Taufe*, als heilsam und bei ihr in Gebrauch, von denen, die beitreten wollten, empfangen wurde; im übrigen aber beobachtete und hütete sie sorglich in allem das mosaische Gesetz, mit Ausnahme der Beschneidüng. Als Lehrer oder gewissermaßen Aufseher hielt sich jedes Mitglied einen ganz der Taufe entbehrenden Hebräer oder eine Hebräerin in seinem Hause, denen jeweils nicht nur die Sorge für die Seele, sondern auch für die häusliche Wirtschaft an vertraut und in die Hand gelegt wurde. Es könnte nach diesen Angaben zweifelhaft sein, ob die Athinganen judaisierende Christen waren oder aber jüdische Proselyten. Unser Berichterstatter hegt offenbar die erstere Meinung, und es ist wohl auch anzunehmen, daß die Athinganen als Christen galten, da sie nicht durch die Beschneidung, die das römische Recht nur für Söhne geborener Juden erlaubte, förmlich ins Judentum Aufnahme gefanden hatten. Vom jüdischen Standpunkt aus mußten indessen Leute, die den Vorschriften der mosaischen Lehre gewissenhaft nachlebten, als Proselyten im weiteren Sinne betrachtet werden. Möglich, daß die Taufe, der sie sich unterzogen, nicht christlichen Charakter trug, sondern die bei den Juden übliehe Proselytentaufe war. Jedenfalls mußte die Ähnlichkeit der Handlung über die Verschiedenheit ihrer Bedeutung hinwegtäuschen. Zu den Athinganen gehörte also Michael von Kindheit