Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 505 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen. 505 Stützungen, das uns patriarchalisch anmutende »Anbißgeld« von 20 Kreuzern, das die Angestellten nach jedem Fasttag erhielten etc. Diese Kassabücher geben uns auch Auskunft über den reichen Besitz der Synagogen an Silbergegenständen; so wird z. B. für das beim Brande 1754 in der Zigeinersynagoge geschmolzene Silber vom Münzamte über 500 fl. gezahlt; eben so hören wir, daß von den Londoner Glaubensbrüdern nach dem Brande 1754 eine große Summe Geldes zur Unterstützung gesendet wurde, die letztgenannte Synagoge allein erhielt davon 400 fl.1). Wichtig sind auch die in vorliegender Schrift enthaltenen Notizen über das Vereins wesen2) in den Prager Synagogen. Neben den in jeder Prager Synagoge bestandenen Chewroth der ,נשים צדקניות מזמרי ברוך שאמר und den verschiedenen Synagogenvereinigungen der שומרים לבקר, מזמרי תהלים, Mischnah- und Gemara-Schiurim etc. gibt es in der Zigeinersynagoge noch eine חברת אדדות חיים; die ihre besondere Aufmerksamkeit dem Rüsttage des Neumondes widmete, ihn mit Psalmenlesen, Mischnajothlernen und Veranstaltung von חצות be« ging, in der Großenhofsynagoge gar einen Verein, eigens zu dem Zweck, קבלת שבת mit Instrumentalmusik zu begleiten. Zum Schlüsse möchte ich noch auf die von Dr. Deutsch gekennzeichnete leider nicht gleichmäßige Zuverlässigkeit von Hock. »Die Familien Prags« hinweisen; es werden uns da zwei Fehler — wahrscheinlich Schreibfehler — gefährlicher Natur mitgeteilt, welche die bei Hock s. v. שפירא *) Daß gerade London eine so große Unterstützung gewährte, hat seinen Grund darin, daß ein Teil der 1745 emigrierten Prager Juden — u. zw. vermögende — sich daselbst ansässig gemacht hatten. Dies schließe ich aus dem im hiesigen jüdischen Gemeindearchiv erhaltenen Schriftenwechsel über das Ehebewilligungsgesuch des Koppelmann Schöppl, vormals Jeiteles, aus dem Jahre 1801, aus dem hervorgeht, daß der Großvater und Vater des Ehebewilligungswerbers bei der Emigration nach London ausgewandert sind, der Vater dort geheiratet und in sehr guten Verhältnissen gelebt hat. Übrigens hat wohl die Londoner Gemeinde auch schon früher sich zu Gunsten der Prager verwendet. Vgl. z. B. Brann in seiner M. S. 1901, S. 204. 2) Für das Vereinswesen, hauptsächlich für die Nomenclatur der Prager jüdischen Vereine bieten die Grabsteininschriften reiche Ausbeute. So werden hier u. a. genannt in den Jahren 1630—1635 : מלביש ערומים, סנדקאות, בקור חולים, פדיון שבוים, אמירת לבוש, ח״ק יוכ״ק, ׳חברת מוחלים 1666—1646 in den Jahren ,שומרים לבקר, םזמרי תחלים חברים und ח״ק משים צדקניות בקוד חולים 1715-1727 ,חולקי עשרים(?) .מתעסקים בצרכי הילדים שאין להם מי להדריך אותם