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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 4 · p. Seite 504

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1909-01-01
Page
Seite 504 (sequence 3)
Language
German
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504 Besprechungen. Tempel in der Geistgasse — oder die Altneuschul älter sei, noch mit einem non liquet beantworten. Daß nicht allein Mangel an Material den Grund dieser Lücke bildet, beweist die stattliche Zahl der von Dr. Deutsch zitierten Quellen, von denen zu erwähnen, wären, die libri Judaeorutni albi des Prager Stadtarchivs, die Widmungstexte der Synagogengeräte, die Synagogensitz- und Kassabücher im Archiv der jüdischen Gemeinde, die handschriftlichenVerordnungen R. Ezechiel Landaus, neben denen noch eine ganze Reihe von Druckwerken, von dem kleinen fast unbekannten תעודה שלמה des Fürther Chasan Mosche Lipschitz bis zu dem jüngst erschienenen Urkunden werke Gottlieb Bondys häufig angeführt werden. Die Geschichte der drei behandelten Gotteshäuser verläuft ziem״ lieh korrespondierend. Ihre Anfänge sind in düsteres Dunkel gehüllt, und nur auf Grund von Grabsteinen und ähnlichen Behelfen gelingt es, ihre Gründumgszeit ziemlich genau festzustellen, für die Zigeiner• und GroßenhofSynagoge den Anfang, für die Neusynagoge etwa dh Mitte des 17. Jahrhunderts. Die erste nachweisbare Katastrophe, von der sie alle betroffen werden, ist der große Brand von 1689; 174f sind die Synagogen durch die drei Jahre währende Verödung zu Ru״ inen geworden, und, kaum wieder hergestellt, fallen sie dem verhee־ renden Brande von 1754 zum Opfer. Von da ab erfreuen sie sich verhältnismäßiger Ruhe, die nur gestört wird durch staatliche Eingriffe wie etwa das Silbereinlieferungspatent vom Jahre 1811, das die Synagogen um ihren ganzen Besitz an Gold- und Silbergegenständen brachte. Dr. Deutsch, der besonders liebevoll und eingehend die Zigeinersynagoge behandelt, belebt seine Darstellung durch Exkurse über die verdientesten Vorsteher und Rabbiner derselben, so über Rabbi Anschel Wiener, über Jakob Bassewi, Edlen von Treuenberg, u. A. Die Abschiedsrede, die Dr. Deutsch in der Zigeinersynagoge hielt, gelungene Phototypien der Gotteshäuser, genaue Verzeichnisse ihres ganzen Besitzstandes an בגדי קדש, כלי קדש und Stiftungen bieten eine willkommene Ergänzung. Von kulturhistorischem Interesse sind die nach den Synagogenkassabüchern mitgeteilten einzelnen Budgetposten, wie die nach heutigen Begriffen lächerlich kleinen Gehälter der Angestellten, die verhältnismäßig großen Ausgaben an Unteröffentlichen weide, und vor kurzem bin ich in den Besitz der leider etwas defekten Originalhandschrift der alten Tekanot der Klaussynagoge gelangt, die gelegentlich der Vereinigung der drei 1689 abgebrannten Klausen in eine große Synagoge 1694 verfaßt wurden. Besonders reiches Material habe ich für die Geschichte der Pinkassynagoge gefunden.

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