Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 382 (sequence 4)
- Language
- German
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382 Besprechungen. biete, ohne welche der allgemeine Entwickelungsgang der medizinischen Wissenschaft sich gar nicht hätte vollziehen können, gewiß nicht zurückzuführen. Um Geld zu verdienen, und zwar ohne anstrengende Studien zu verdienen, bot wie heute auch im Mittelalter der Handel und das Bankgeschäft, oder im damaligen Sinne das Wuchergeschäft günstigere Chancen. Eine andere hiehergehörige atavistische Erscheinung ist die Pflege der Gesundheit. Diesen richtigen Punkt hat der Verfasser bei der Erklärung der günstigeren Lebensverhältnisse der Juden übergangen, aber es ist bekannt, daß die Juden ein unverhältnismäßig großes Kontingent der Hilfesuchenden in den Konsultationszimmern berühmter Ärzte und in den Heilbädern bilden. Auch die Ärmsten der Armen müssen im Sommer wie im Winter wenigstens während einiger Wochen in einem Badeorte weilen, und wenn auch hinsichtlich der Ausstattung armer Mädchen die Freigebigkeit der reichen Juden nachgelassen hat, so ist sie für die Unter- Stützung von Kurbedürftigen und die Erhaltung von Kuranstalten, nicht ausschließlich zugunsten von Juden. — ich brauche bloß auf Alland hinzuweisen — die alte und fast unerschöpflich. Ist dieses Verhalten nicht der Widerhall der alten Mahnung: »Erwähle das Leben!«? Mag man den Einfluß der mosaischen Lehre auf die Menschheit hoch oder gering anschlagen — ganz ableugnen wird man ihn nicht —, dann nimmt sich das Bestreben mancher Bade- Verwaltungen, die ihnen unterstehenden Anstalten »judenrein« zu erhalten und als solche anzukündigen, mindestens komisch aus, denn die hohe Bewertung des Lebens und der Gesundheitspflege, wovon jene Anstalten ihr Dasein fristen, ist dem Einfluß der mosaischen Lehre zu danken, sie können also so durchaus »judenrein« auch ohne jüdische Kundschaft niemals werden. Noch in einem anderen Punkt, und zwar dem ^richtigsten, den der Verfasser bespricht, möchte ich mir eine Ergänzung vorzubringen erlauben. Das hauptsächlichste Verlängerungsmittel für die Lebensdauer ist nach dem Gesetz der Biologie die Arbeit. Wenn nun auch den Juden gern nachgesagt wird, daß sie die körperliche Arbeit gern vermeiden, so lehren doch Vergangenheit und Gegenwart das Gegenteil. Die Handwerker und Fuhrleute in den Östlichen Gegenden sind meistens Juden, ebenso die Hamals in Salonichi, welche die Schiffe ausladen, und als 1492 die luden aus Sizilien vertrieben werden sollten, bat der Hohe Rat der jinsel den Landesherrn Ferdinand den Katholischen von Arragonien Im Aufhebung dieser Verfügung mit der Begründung, daß die Juden die einzigen Schiffbauer wären, und daß mit der Vertreibung der Juden aus Sizilien der dortige Schiffbau gänzlich, eingestellt werden müßte. Es ist überflüssig, andere Zeugnisse beizubringen, aber darauf mochte