Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829823-2889125--37101-2889254- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
3&ö Besprechungen. lieh die Provence oder Deutschland) sind jedoch zu unsicher, um ein. Urteil in jener Frage zu gestatten. Charisis Tachkemoni, das bedeutendste Werk auf diesem Gebiete, das später unter den Juden Schule gemacht hat (man denke z. B. an Immanuel aus Rom), ist eine Nachahmung der Makämen des Hariri (Steinschneider, a. a. O. S. 851). Wie dem aber auch sei, so gilt der eventuelle fremde Einfluß auf die jüdische Parodie hauptsächlich der Form; was dagegen den Stoff betrifft, den die jüdischen Schriftsteller zum Gegenstände ihrer Parodierurigen gewählt haben, so bemerkt man hier auffallender Weise mehr als auf irgend einem andern von Nichtjuden beeinflußten Literaturgebiete ein durchgehendes Festhalten an jüdischen Vorlagen aus der einheimischen Literatur und an Themen, die aus dem jeweiligen sozialen und religiösen Leben der Juden hergenommen sind. Ausnahmen in der älteren Literatur sind u. a. die Parodien Zabara’s (herausg. von Israel Davidson in der hebr. Zeitschrift ילקוט המערבי auch separat unter dem Titel שלש הלצות, New-York 1904) von denen die erste (מאמר הרופאים) wahrscheinlich die Aphorismen des Hippocrates parodiert. In neuerer Zeit sind allerdings oft auch fremde Stoffe bearbeitet worden. Mit besonderer Vorliebe wurde Schillert »Lied von der Glocke« von den Juden, deren Lieblingsdichter Schüler stets war, parodiert. Uhland’s »Des Sängers Fluch«, Goethe’s »Kennst du das Land wo die Zitronen blühen« (der Parodist Frug setzt אתרוגים für Zitronen), Heine’s »Lorelei«, »Die Grenadiere« und selbst Freiherr von Zedlitz’s »Die nächtliche Heerschau« haben ihre Bearbeiter gefunden. Doch ist auch in dieser Periode die überwältigende Mehrzahl der Parodien jüdischen Stoffen gewidmet. Demzufolge dürfte eine eingehende zusammenfassende Dar- Stellung der sozialen und psychologischen Momente, welche bei der Entwickelung dieses eigentümlichen Literaturzweiges unter den Juden mitgewirkt haben, wie es der Verfasser des hier zu besprechenden Buches unternommen, von nicht geringem kulturhistorischem Interesse sein. Vor beinahe 30 Jahren hatte bereits Steinschneider, wie auf so vielen Gebieten der jüdischen Literatur, durch seinen Artikel »Purim und Parodie« (Letterbode 1881/2, fortgesetzt in dieser Monatsschrift Jahrg. 1902—1904) den Anfang zur methodischen Forschung gemacht. An diese Arbeit Steinschneiders hat der Verfasser, wie er in seiner Vorrede p. X selbst angibt, angeknüpft. Während aber Steinschneider, wie der Titel seiner Arbeit andeutet, sein Augenmerk hauptsächlich der Purimliteratur zuvvandte und die Parodieen nur insoferne sie sich an letztere knüpften behandelte, hat der Verfasser des hier angekündigten Werkes den umgekehrten Weg eingeschlagea and nur diejenigen Schriften (über 500 an Zahl) seiner Prüfung unterzogen, die