Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vorarbeiten zur "Germania Judaica" II.
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 5)
- Language
- German
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348 Vorarbeitenzur »Germania judaica.« II. herrschaft der deutschen in Prag vorausgehende Zeit33), deutet die Bezeichnung Mesigrada für Prag31). Nicht ausgeschlossen ist es, daß die Juden in alter Zeit auch auf der Prager Kleinseite links der Moldau gewohnt haben. Doch die einzigen Nachrichten über eine dortige Niederlassung im 10. und 11. Jahrhundert stammen aus dem 16. Jahrhundert und aus einer unzuverlässigen Quelle85). An die Entstehung der ältesten Synagoge in Prag knüpft sich ein üppiger Kranz von Sagen. Nach einer Volkstradition soll die »Altneuschul« im Jahre 929, als das damalige hölzerne Bethaus für die angewachsene Gemeinde nicht mehr ausgereicht hatte, an einer Stelle erbaut worden sein, wo man die Grundmauern einer alten Synagoge aus der Zeit des zweiten Tempels entdeckt habe36). Nach andern Überlieferungen hätte diese Synagoge ihre Grundfesten aus den Steinen des jerusalemischen Tempels oder wäre gar der von Jerusalem nach Prag versetzte Tempel selbst8'1). Der Ruhm des höchsten Alters wird jedoch der »Altneuschul« von der »Altschul« bestritten. Diese soll sogar schon zur Zeit des Tempels in Jerusalem bestanden haben88), während sie eine andre Tradition erst im Jahre 1503 durch eingewanderte Portugiesen erbauen läßt89). Dem hohen Alter der beiden Synagogen entsprechend besteht Prag in der jüdisehen Sage schon zur Zeit des Josua als befestigte Stadt, weshalb dort, der talmudischen Vorschrift gemäß, das Buch Ester am 15. Adar gelesen werde40). Offenbar liegt auch der Erzählung des Chronisten Hajek im 16. Jahrhundert von der Hilfe, die die Juden den Christen gegen die Heiden im Jahre 995 gebracht hätten, und von dem deshalb bewilligten Bau einer Synagoge auf der Kleinseite Prags41) eine jüdische Volkssage zu Grunde, die sich der Chronist in seiner Weise zurecht gelegt und mit einem willkürlichen Datum versehen hat. Dieser Fülle von Sagen gegenüber zeigt sich die nüchterne Geschichte der beiden ältesten Synagogen in Prag