Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vorarbeiten zur "Germania Judaica" II.
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 347 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829823-2889123--37082-2889237- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
347 Vorarbeiten zur »Germania judaica.« II, Stelle25). Aus dem Berichte des Cosmas zum Jahre 1098 dürfen wir sogar mit Sicherheit annehmen, daß die Juden schon damals, wenn auch freiwillig, beisammen wohnten. Der Kämmerer, der den Auftrag erhält, sie wegen ihrer geplanten Flucht auszuplündern, kommt nämlich erst zu den Juden, dann beruft er die Ältesten zu sich, um ihnen den Befehl des Fürsten mitzuteilen26). Das setzt ein Judenquartier voraus. Ein solches Zusammenwohnen von Zusammengehörigen entsprach ihrem eignen Interesse und auch der damaligen Sitte, wie ja auch die Deutschen in Prag damals ihr eignes Viertel hatten27). Der Hauptsitz der Prager Juden muß sich von jeher in der jetztigen Altstadt befunden haben28), daneben mögen sie in der ältesten Zeit doch auch auf dem Gebiete der spätem Neustadt angesiedelt gewesen sein, ln der hebräischen Formel der Scheidebriefe für Prag werden noch heute dem Namen Prag die Worte beigefügt: »benannt Mesigrada, am Flusse Wltawa und am Flusse Botitz«29. Läßt sich auch diese Formel erst in Urkunden des 16. Jahrhunderts nachweisen80), so reicht doch ihr Ursprung ohne Zweifel viel weiter in die Vergangenheit zurück. Das beweist die Namensform Wltawa, wie die Moldau noch heute im Munde der Öechen heißt, während die Form Multawa, Multawia oder Muldava erst im 14. Jahrhundert infolge der Vorherrschaft der Deutschen in Prag vielfach üblich wurde81). Die Juden wohnten also zu dieser Zeit in Mesigrada (oder Mesigradi), d. h. in der Zwischenstadt, auf dem zwischen den Burgen Prag und Wyschehrad gelegenen Gebiet82) — jetzt Alt- und Neustadt — und auch ganz im Süden am Flusse Botitz. Dieses ganze Gebiet, wahrscheinlich einschließlich Wyschehrads, das am Botitz lag, betrachteten sie als zur Gemeinde Prag gehörig. Das setzt eine Zeit voraus, in der die planmäßigen Bestrebungen des 13. Jahrhunderts, die Juden völlig abzusondern, noch nicht kannte. Auf eine vielleicht noch weiter zurückliegende, der Vor-