Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Vorarbeiten zur "Germania Judaica" II.
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 3)
- Language
- German
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346 Vorarbeiten zur >Germania judaica«. II. Namen und schildert sie als ganz besonders reich17). Sie müssen also für den Handel Prags eine große Bedeutung gehabt haben. Wie anderswo bedeutete auch in Prag das Jahr 1096 einen Wendepunkt in der Geschichte der Juden. Am Wochenfest dieses Jahres18) wurden sie von den Kreuzfahrern überfallen und zum Teil getauft, zum Teil getötet18). 1098 ließ sie der Herzog wegen beabsichtigter Flucht vollständig ausplündern20). Wie aus den Worten zu entnehmen ist, die der Zeitgenosse Cosmas bei dieser Gelegenheit den Kämmerer des Herzogs an die Juden richten läßt, muß die jüdische Ansiedlung damals schon seit lange bestanden haben. Aus Jerusalem hätten sie, vom Kaiser Vespasian als Sklaven verkauft und über die Erde zerstreut, nichts mitgebracht, und nackt, wie sie gekommen, sollen sie wieder gehen.21) Zur Zeit des Chronisten glaubte man also, daß die Juden nicht lange nach der Eroberung Jerusalems durch Titus nach Böhmen verschlagen worden wären. Das heißt: schon damals war die Erinnerung an die Zelt der Einwanderung der Juden nach Prag oder Böhmen längst aus dem Gedächtnis der Lebenden verschwunden, offenbar weil sie bereits viele Generationen zuvor geschehen war22). Am Ende des 11. Jahrhunderts muß die Niederlassung sogar schon einen ansehnlichen Umfang erreicht und eine Gemeinde- Verfassung gehabt haben. Denn zum Jahre 1098 spricht Cosmas von Judenältesten23). Sichere Kunde von einem besondern Judenviertel in Prag bringt uns erst ein Fortsetzer des Cosmas zum Jahre 1273, in dem die Moldau das ganze Judenviertel oder die Judengasse (vicus Judeorum) überschwemmte und auch die Kirchen des heil. Aegidius, des heil. Franciscus und des heil. Nikolaus erreichte24). Aus der Nachbarschaft der beiden zuerst erwähnten Kirchen, jetzt der Dominikaner und der Kreuzherren, zu schließen, befand sich das Judenviertel schon damals in der Altstadt wohl an heutiger