Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Leviticus XXVII im Lichte des Talmud
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 9)
- Language
- German
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Leviticus XXVII im Lichte des Talmud. 277 fung nach einer vom Priester je nach Alter und Geschlecht zu unternehmenden Schätzung ermöglicht worden ist, was für die anderen Gelübde nicht der Fall war. Da aber im Falle der Nichtentrichtung der vorgeschriebenen Summe die gelobende Person an das Heiligtum anheimfallen muß1), so ist die Stellung der Schätzung demnach nur eine subordinierte. Durch diese kann das betreffende Gelübde eine Ablösung finden, es kann aber von der Schätzung aüch abgesehen werden, wenn jemand durchaus darauf besteht, sich der Ausführung des gegebenen Gelübdes zu unterziehen. Nach der rabbinischen Auslegung ist hingegen das Hauptgewicht auf die Schätzung an sich zu legen. Sie steht im Vordergrund und bildet die Basis des Gesetzes. Sie muß unbedingt unmittelbare Verwirklichung finden, ein Anheimfallen der Person sei auf jeden Fall gänzlich ausgeschlossen. Denn unter diesem Gesetze sei zu verstehen, daß man nur die gesetzliche Schätzung der Person, nicht diese selbst, weiht. Wenn die Rabbinen hier von einem Personengelübde abseheii, so wollen sie darin aber auch kein Schätzungsgelübde erblicken. Sie trennen scharf das Institut der Aequivalente vom Gelübdewesen und heben diesen Unterschied, so oft sich bei ihren Diskussionen Gelegenheit bietet, stets hervor. Im übrigen standen die Rabbinen dem Gelübdewesen derart feindlich gegenüber, daß sie am liebsten dessen Eingehen gesehen hätten, während gerade das Institut der Aequivalente sich ihrer Wertschätzung zu erfreuen schien. Denn mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln bekämpften sie das erstere und suchten es aufs energischste mit der Wurzel äuszurotten. Um sein reges Treiben und seine immer mehr zunehmende Verbreitung endlich einzudämmen, scheuten sie keine Ausdrücke und gebrauchten sogar die ver- ג) Mit den dem Tempel anheimgefallenen Personen sollen die נתינים (Esrä 2, 58; 8, 20; Neh. 7, 60; 11, 3) gemeint sein. Vgl. Dillmann, Leviticus 1880, S. 629.