Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 7)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 263 suche, so werde man finden, daß sie »gleichwol wenn sie schädlich sind, an sich selbst nicht allein daran die Schuld haben, sondern dass die Schuld an denen Gesezen mit« liege, »die aus Mangel der Aufsicht und rechten Einrichtung nicht beobachtet« würden. Viele Juden seien Wucherer, Betrüger, Hehler, Diebe und dergleichen. Solle oder könne man aber deswegen über ein ganzes Volk ein allgemeines, nachteiliges Urteil fällen, ohne eine offenbare Unbilligkeit zu begehen?« Gebe es denn »nicht auch viele ehrliche und rechtschaffne Juden«, und gebe es »nicht hingegen auch Christen, die sich »nicht mit einem gleich schlechten moralischen Caracter« auszeichneten? Treibe also der Eine und Andere von ihnen etwa Wucher, oder mache sich wirklicher Betrügereien und Verfälschungen schuldig, so liege dies gewiß »an der Schläfrigkeit, Unachtsamkeit und Sorglosigkeit derjenigen, so vor die Aufrechterhaltung der Geseze wachen« sollten. Man habe deshalb das Judentoleranzwesen nur nach vernünftigen Grundsätzen einzurichten, in scharfen Gesetzen vorzuschreiben, »was für Arten der Nahrung und Gewerbe« die Juden treiben dürften und wie sie sich dabei zu verhalten hätten; wache man dann über der Befolgung dieser Gesetze, so werde sich zeigen, »dass die Juden kein schädliches Volck vor den Staat sind, als sich viele einbilden.« Es komme nur darauf an, ob die Regierung diese Leute für den Staat nützlich machen wolle» was sie um so leichter tun könne, da sie »über sie viel freiere Hände als über die übrige Landes Unterthanen« habe. Allgemeiner Grundsatz müsse sein : Die Juden dürfen nur in den Städten wohnen, denn, um sie dem Staate nützlich zu machen, müsse eine ganz besondere Aufsicht da sein. »Es ist gleichsam eine natürliche Eigenschaft der Juden, dass sie sehr listig und verschlagen sind, und hierinn thun sie es auch den meisten Christen weit zuvor : Sollten sie nun in den Dörfern wohnen, so ist, wie man in hiesigen Landen die tägliche Erfahrung hat, allerdings zu besorgen,