Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 262 (sequence 6)
- Language
- German
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262 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. Bezüglich der Klage über die übermäßige Rezeption der Juden erklärte die hessische Regierung, diese wäre auch aut früheren Landtagen erhoben worden, nähere Untersuchung hätte aber ergeben, daß die adligen Familien ihr Judenaufnahmerecht in einer alles Maß und Ziel überschreitenden Weise benützten. Man hätte deshalb, nach dem Vorgänge der Kasseler Regierung, festzustellen verordnet, ob die um die Rezeption (im Busecker Tale) sich bewerbenden Juden rezeptionsfähig, und ob ihre Aufnahme, gegenüber der Anzahl der vorhandenen Juden, tunlich wäre, oder nicht. Vom praktischen und theoretischen Standpunkt aus hatte sich, in einem Bericht über die Beschwerden, die teils 1768 auf dem Landtage zu Giessen vorgebracht, teils hernach von den Landständen überreicht wurden und noch zu erörtern waren, im Jahre 1775 der Oberappellationsrat Friedrich Jacob Schöndarf mit der »allzustarcken Obersezung der Judenschaft« in den Hochfürstlichen Landen beschäftigt In Giessen, sagt er einleitend, beschwere man sich über die große Menge der Juden in Städten und Dörfern: kein Christ könne mehr ein Gewerbe treiben und, was am meisten zu beklagen sei, es befänden sich darunter peinlich prozessierte und konvinzierte Betrüger. Die Vermehrung der Juden in Hessen sei notorisch, gibt unser Gutachter zu, auch sei es »eine ausgemachte und keinem gegründeten Zweifel unterworfene Sache,« »dass die Juden einem Lande mehr schädlich als niizlich« seien, »wenn sie sich darinnen zu stark einnisteln und über Hand nehmen.« Schöndorf fährt aber fort : Er sei keineswegs gegen sie eingenommen, sondern halte sie ebenfalls für nützliche Unterthanen, »wenn deren Zahl der Größe des Landes: oder der Städte angemessen« sei, »und sowohl die Geseze als die übrige Einrichtungen darnach gemacht« seien, Denn, wenn man die Vorwürfe, die man ihnen wegen ihres Wuchers, ihrer Betrügereien, Verhehlung der Diebstähle und ihres großen Hasses gegen die Christen und was dergleichen mehr sei, mache, etwas näher unter-