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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 3 · p. Seite 261

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 3
Article
Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
Date
1909-01-01
Page
Seite 261 (sequence 5)
Language
German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XTX. Jahrh. 261 trotzdem gäbe es jetzt, trotz aller Vorstellungen, 12 Familien daselbst, die mit Wollen•* Cattun-Zeug und dergleichen! ja sogar mit Specereiwaaren handelten. So groß der Nachteil für die Bürger durch diese Überzahl jüdischer Konkurrenten, so gering wäre der Vorteil des Kammerfiskus, da die meisten »gänzlich verdorben« wären und das Schutzgeld nicht entrichten könnten. Man bäte daher, die Anzahl der Groß- Gerauer Juden wieder auf 2 zu reduzieren und ihnen nur den Leinwand- und Spitzenhandei zu gestatten. — An einer anderen gegen die Groß-Gerauer Judenzahl sich wendenden Beschwerdesteile heißt es : Wollten auch Söhne von Untertanen die Tuch- [und] Cattun-Handlung erlernen und sie im Lande betreiben, so müßten sie wegen der Juden verderben. Die Stellungnahme der hessen-darmstädtischen Regierung gegenüber dieser Groß-Gerau betreffenden Klage bekundet eine die Desideria specialia der Landschaft anlangende Beantwortung, welche die Unterschrift der Minister klipstein und Friedrich Karl von Moser trägt: die rezipierten Juden, heißt es darin, könnten nicht verjagt werden, die Familien müsste man aber nach und nach eingehen lassen und mindern. Für Hessen überhaupt aber wird, in dieser Darlegung, die Anweisung gegeben, daß bei beantragten Judenrezeptionen der Beamte keinen Bericht machen solle! ehe er den Stadtrat gehört habe, dessen Bericht beizuschließen sei. Auch die Giessener Regierung beschäftigte sich energisch scharf mit der Judenfrage, soweit sie ihren Bezirk anging. In einem wegen der Konkurse abgegebenen Gutachten von 13. November 1776 äußerte sie sich: Merkte der Jude, daß er sich bei seinem Handel auf die Dauer nicht aufrecht zu halten vermöchte, so beschieße er die Szene mit Betrug und versteckte sich »unter solche socios«, an denen man sich gleichfalls nicht erholen könnte. »Gegen solche dem Staat ohnedem lästige Juden wäre anzurathen, daß ihnen der Schutz ohne Nachsicht aufgekündiget werde.«

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