Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 4)
- Language
- German
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260 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh das Herz des Juden »durch die Grundsätze der Ordnung, Rechtschaffenheit, der Liebe aller Menschen und der großen Gesellschaft in der er lebt, erwärmt würde1); . . .« Wir sehen: wiederum ein Verteidiger unserer Menschenrechte, der die Gebrechen unseres Volkes, wie sie Druck und Scheu hervorgebracht hatten, nicht verschwieg. Wie es nun um jüdische Betätigung und deren Beurteilung in einem Teile Deutschlands, ungefähr zu der Zeit stand, als Dohm verteidigte, mahnte und forderte, lehren die folgenden Ausführungen. Die Verhältnisse der Juden im Großherzogtume Hessen während des 18. Jahrhunderts sind noch keineswegs erschöpfend quellenmäßig behandelt, um so mehr darf hier Einiges sie Betreffende vorgeführt werden. Es entstammt den Akten über den Landtag vom Jahre 1776 und darauf bezügliehen Schriftstücken aus diesem und dem vorangegangenen Jahre, die im Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchiv in Darmstadt (als: Landtags-Akten, als: Convolut 48, 50 und 51) sich befinden. Die Landschaft beklagte sich wegen des Ueberhandnehmens der Juden und forderte, ihre Zahl sollte nach und nach vermindert, es sollte ihnen nicht gestattet werden, fernerhin allzufrüh zu heiraten und »sich mit immobilibus im Land ansässig zu machen«, vielmehr wäre den Christen das Abtriebsrecht solcher in jüdischen Händen befindlichen Häuser auf ewige Zeiten zuzusprechen, »folglich auf keine gewisse Zeit, als bißhero geschehen zu restringiren «״, oder wohl gar dieselben vom Abtriebsrechte zu befreien, »sondern es hierunter lediglich bey den althessischen Landesstatuten zu belassen«. Ein Desiderium des Städtchens Groß-Gerau besagte: der Stadtfreiheitsbrief vom Jahre 1663 hätte die Aus- Schaffung der Juden versprochen, 1696 hätte man ihm, durch ein Privilegium, gewährt, daß nur 2, Vieh-, Leinwand- und Spitzenhandel treibende Juden in ihm wohnen dürften, ls0) S. 120.