Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 3 · p. Seite 259

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 3
Article
Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
Date
1909-01-01
Page
Seite 259 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829819-2829823-2889117--36988-2889149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 259 todt für Tugend und Wolwollen, in Geitz, Betrug und Schinderey versunken; und er hält es sogar beynahe für einen Religionspunkt, und ein verdienstliches Werk, die Juden zu verfolgen1); . . .« Das gemeine Volk sah nicht auf die Ursachen, mit denen die angeführten schlimmen und traurigen Wesenszüge zusammenhingen. Dohm hat sie in seiner warmherzigen, männlichen Schrift klar vorgeführt »Die Liebe des Gewinns«, sagt er, »muß bey den Juden viel lebhafter seyn, da dieser Gewinn das einzige Mittel ihrer Erhaltung ist; die kleinen Künste der Uebervortheilung müssen bey ihnen bekannter seyn, da sie so lange geübt worden; Wucher und unbilliger Gewinn müssen von ihnen für erlaubter gehalten werden, da alle Zweige ihres Handels mit so starken Abgaben belegt worden, die von dem ordentliehen Vortheile nicht getragen werden können. . . . Man überdenke, wie nothwendig eine Beschäftigung, die seit mehr als einem Jahrtausend die einzige einer Nation war, ihren Charakter einseitig bestimmen, und ihre fehlerhafte Eindrücke mit ungeschwächter Kraft ihr mittheilen mußte.« »Mit der unbilligen und unpolitischen Behandlung der Juden werden auch die üblen Folgen derselben verschwinden, . . .«2 *) Dem Handwerke seien sie zuzuführen, mit dem Ackerbaue sich zu ernähren, dürfe ihnen nicht verwehrt sein, jede Kunst, jede Wissenschaft müsse ihnen offen stehen, und »in den Fällen, da sie sich vorzüglich fähig be~ wiesen«, auch der Dienst für den Staat; »wäre es auch nur, um dem ohne Zweifel noch lange herrschenden Vorurtheil entgegen zu arbeiten«8). Aber auch Dohm berührt einen Punkt, den Zimmermann als einen schweren Vorwurf des niederen Volkes gegenüber den Juden angeführt hat. Hieß es dort, der Jude wäre tot für »Wolwollen«, so erklärt Dohm: eine weise Regierung könne dafür sorgen, daß 1) A. a. O. S. 151. ף s. 108-109. ף s. 119. 17*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.