Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 5)
- Language
- German
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Besprechungen. 255 Lehre bekehrt würde, nicht daß das Judentum in die Welt aufgehe.« Die Beobachtung der Ceremonien, natürlich verinnerlicht, führte den Menschen zur Heiligkeit eher als alles theologische Philosophieren ohne diese Übungen. Vor allem aber fordert er Wiederbelebung des Studiums der hebräischen Sprache und des hebräischen Schrifttums. In diesem Sinne bedürfe das Judentum, das sonst in seiner Existenz bcdroht sei, einer Wiedergeburt. Man nennt gewöhnlich in der Geschichte Renaissance die Zeit, in der der Mensch sich selbst entdeckt. Auf diese Welse wird auch das Judentum sich selbst wieder entdecken müssen.« Die Frage, ob im Judentum Raum für Heilige im üblichen Sinne sei, beantwortet der Verfasser in zwei Aufsätzen »Heilige und Heiligkeit« und »Sabath im 16. Jahrhundert«, von denen der erste das Bild eines jüdischen Heiligen nach dem hebräischen Schrifttum, ein wunderbares Mosaik aus 80 Stellen der hebräischen Literatur, vom Talmud, durch das Mittelalter bis auf die neuere Zeit entwirft. Wir haben (von den anderen) viel Latein, viel Griechisch, viel Geschichte gelernt, auch manches methodische Verfahren in wissenschaftlicher Arbeit uns angeeignet — aber gleichzeitig waren wir allen Arten nationalistischer Plattheit zugänglich und einer Sorte von Freidenkertum und materiaüstischem Dogmenglauben, die bei der Mehrzahl der Denker bereits seit längerer Zeit überwunden ist. »Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts haben uns gelehrt, daß große Religionen nur von Ideen und Idealen, nicht von bloßer Organisation leben,« daß die einleuchtende Natur einer Lehre öfter ein Beweis von Mittelmäßigkeit als ein Zeuge der Wahrheit sei. Daß Nüchternheit gut, aber Inspiratian und Enthusiasmus besser seien, und daß jede Religion, die des notwendigen Einschlags von »Heiligen und der Heiligkeit« entbehrt, schließlich im Handeln zu Alltagstugenden, im Denken zum Philistertum verdammt sei und sicher bei ihrer ersten Berührung mit höherem Leben und höherem Denken verschwinden müsse. An diese Bernerkung schließt sich die ergreifende, obenerwähnte Schilderung des wahren Heiligen, der im jüdischen Schrifttum bald חסיד bald קדוש genannt werde, Begriffe, die in einanderflössen. Der Verfasser hätte noch daran erinnern können, daß schon die Septuaginta durch ihre Übersetzung dieses Wortes mit o<nog für die Wahrheit seiner Behauptung zeugt. Noch bedeutender und von hervorragendem wissenschaftlichem Werte ist der zweite, dieses Thema behandelnde Aufsatz über die palästinische Stadt Safeth ,im 16. Jahrhundert, wie es scheint, der einzige Aufsatz in diesem Buche, der hier zum erstenmal der Öffentlichkeit übergeben wird. Er enthält gewissermaßen die praktische, ׳geschichtliche Ausführung des eben erwähnten Idealbildes des jüdischen Heiligen. Safeth, verhältnismäßig jungen Datums, ohne biblische oder auch nur talmudische Vergangenheit, wird erst gegen Anfang des 13. Jahr-