Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 4)
- Language
- German
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248 Besprechungen. als die ältesten Kirchenschriftsteller, bei denen wir direkten Einfluß Philos anzunehmen haben, nur Justin, der Verfasser der Cohortatio ad gentiles (dieser zitiert Philo an drei Steilen ausdrücklich) und Clemens von Alexandria, Bei den beiden ersteren aber zeigt sich dieser Einfluß auch nur allgemein in der Art und Weise der alle״ gorischen Auslegung, wirkliche Entlehnungen aus Philo und vollständige Übereinstimmungen mit ihm finden sich bei Justin fast gar nicht, in der Cohortatio selten; Justins allegorische und topologische Erklärungen einzelner Bibelstellen haben mit Philo ebenso wenig zu schaffen wie die des Barnabasbriefes. In dem zweiten, besonderen Teil hat es der Verl, daher, abgesehen von wenigen Stellen, fast nur mit Clemens zu tun. Dieser befindet sich, sowohl was die Annähme eines doppelten Schriftsinns als auch was die allegorische Auffassung der Bibel im einzelnen betrifft, zumeist in Übereinstimmung mit Philo, er hat Philos Schriften nicht nur in ausgedehnter Weise benutzt, sondern auch zahlreiche Stellen aus ihnen entweder wörtlich oder mit kleinen Kürzungen und Änderungen abgeschrieben. Diese Steilen des Clemens hat der Verf. häufig den betretenden Philostellen im Wortlaut gegenübergestellt, was in diesem Umfange vielleicht nicht nötig gewesen wäre; denn die Stellen sind sämtlich in unserer kritischen Philoausgabe angemerkt, wie umgekehrt an den betreffenden Ciemensstellen schon Potter auf die Philostellen hingewiesen hat. Die Art und Weise, wie Clemens stillschweigend die Schriften Philos benutzt hat, erhellt am besten aus den Auszügen in den Stromateis II cap. 18 und 19: diese Kapitel enthalten ein fortlaufendes, nur bisweilen durch Hinweise auf neutestamentiiche Stellen unterbrochenes Excerpt aus dem Buche Philos de virtutibus bezw. aus den Abschnitten de fortitudine, de humanüate, de paenitentia, de nobilitate. Philos Gedanken und Erklärungen sind stark verkürzt, hier und da, um einen Zusammenhang herzustellen, im Wortlaut ein wenig verändert, zum Teii infolge ungeschickter Kürzung fast bis zur Un« Verständlichkeit entstellt. Im einzelner! finden sich manche Ungenauigkeiten und falsche Behauptungen, die zu Bemerkungen Anlaß geben. S. 29 behauptet der Verf. als Philos Meinung: »Orpheus ist mit Moses, Pythagoras mit den Schülern des Jeremias in Aegypten bekannt geworden«. Mir ist keine Stelle bei Philo bekannt, die als Beleg für eine solche Behauptung gelten könnte. S. 43: Die Inspirations- oder Offenbarungslehre Philos beruht nicht allein auf Platos Inspirationsbegriff, sondern deckt sich auch mit der stoischen Divinationslehre, vgl. Posidonius bei Cic. de divin. I 66; ebenso die Dreiteilung der biblischen Offenhartingen (de vita Mos. II § 188) und die ähnliche Einteilung der