Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 2)
- Language
- German
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246 Besprechungen. in den Ausgaben der betreffenden Autoren, in Kommentaren und anderen Schriften, besonders aber von Siegfried in dem erwähnten Buche, bereits kurz hervorgehoben. Der Abschnitt über die her meneutischen Regeln (S. 69—125) lehnt sich ziemlich eng an die von Siegfried aufgestellten Regeln der Allegorie an. Manches ist mit zu großer Breite erörtert: die sog. typologischen Bibelerklärungen gehören strenggenommen nicht zum Thema, denn die Methode der Kirchenväter, Stellen des Alten Testaments auf Jesus zu deuten und biblische Personen und Erzählungen für Typen und Symbole der im Neuen Testament berichteten Begebenheiten zu erklären, geht Philo nichts mehr an. In literarhistorischen Fragen, die besonders in der Einleitung berührt werden, äußert der Verfasser teilweise recht anfechtbare Ansichten. Aristobul gilt ihm als der erste Vertreter der jüdischen Allegoristik, die gewichtigen Bedenken, die gegen die Echtheit der ihm zugeschriebenen Fragmente sprechen, hält er mit Schürer nicht für stichhaltig. Schürer setzt aber, weil in einem Fragment des Aristobul ganz offenbar auf den Aristeasbrief Bezug genommen wird, in richtiger Konsequenz diesen schon um 200 v. Chr. an und führt die gefälschten Verse griechischer Dichter, die bei Aristobul Vorkommen, auf die unter dem Namen des Hekataeus von Abdera gefälschte Schrift »über die Juden« zurück, die er schon im 3. Jahrh. veifaßt sein läßt. Nim glaubt heute außer Schürer gewiß niemand mehr, daß der Aristeasbrief sich so hoch hinaufrücken läßt. Der Verf. schließt sich denn auch in diesem Punkte nicht an Schürer an und hält Aristobul für älter als Aristeas; er will die Worte des Aristobul über die Entstehung der Septuaginta, aus denen man allgemein herausgelesen hat, daß Aristobul den Aristeasbrief gekannt hat, anders verstanden wissen und bemüht sich im Gegenteil nachzuweisen, daß bei Aristobul eine ältere Fassung der Septuagintalegende vorliege als bei Aristeas. Weder dies noch was der Verf. sonst vorbringt, ist m. E. geeignet die Annahme der Echtheit des Aristobul zu stützen. Es ist und bleibt undenkbar, daß ein solches Machwerk im 2. Jahrh. v. Chr. in Alexandria verfaßt und an den König Ptolemaeus Philometor gerichtet werden konnte. Mag der Fälscher Jude oder Christ gewesen sein, er gehört einer späteren Zeit an, er hat nach Pseudo-Aristeas und nach Philo geschrieben. Daher ist auch das Bild, das der Verf. von der Entwicklung der Allegoristik im hellenistischen Judentum auf Grund seiner Auffassung von den Zeitverhältnissen der einzelnen Schriftsteller entwirft, eine verfehlte Konstruktion; Aristobul steht nicht am Anfang dieser Entwicklung: die über Philo weit hinausgehende Anschauung, daß die griechischen Philosophen ihre ganze Weisheit Moses zu verdanken haben, paßt erst für die Zeit, der ein