Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829822-2888972--36966-2889100- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Besprechungen. 243 Werke nachgerühmt werden kann, die allmähliche Überwindung des jüdischen Christentums, die großen Anstr engunge n und gewaltsamen Auslegungsmethoden, um den Sabbath aus der Kirche zu entfernen, die Gewalttat der Verlegung der Sabbathfeier auf den Sonntag, die krampfhaften Anstrengungen den Christliehen Gottesdienst vom Einüusse der Synagoge zu befreien. Blieb doch der Gottesdienst der Ebjoniten bis in das 5. Jahrhundert jüdisch und wurde doch ihr Gotteshaus Synagoge und nicht Kirche genannt; beobachteten doch im 4. Jahrhundert in Kappedozien die Hypsisterier den Sabbath und gewisse Speisegesetze; wie ferner die Trinitätsie hre allgemach zum Eckstein der Kirche wurde und sich dagegen eine mächtige, nicht zu beschwichtigende Opposition erhob; wie ein heißer Kampf um und für die Einheit Gottes entbrannte und die Frage ertönte: »Haben wir einen Gott oder drei?« Das Kapitel und das Buch schließen mit einer offenbar aus tiefstem Herzen kommenden Reflexion, die dem Rabbinismus vorwirft, vor neunzehnhundert Jahren das offizielle Judentum daran gehin־ dert zu haben, in die aus seinem Schoße 11 ervorgegangene Weltreligion ein zu treten; aber zu gibt, daß er keine Trübung der Einheit Gottes und des Sittenges etzes geduldet habe. Das Weltchristentum aber schuf aus den zugkräftigsten religiösen Zeit i d een allmählich die Kirche, die verlangt, daß alle glauben, was sie glaubt, — So wie Moses und die Propheten unter der Wucht des mikrologischen Rabbinismus erdrückt worden seien, so sanken diese mitsamt den Evangelien in der Kirche, deren Grundpfeiler die Trinitätslehre bilde, zur Folie herab. »Der frische, befreiende Geist des Evangeliums war aus der Kirche verschwunden; sie hat das »joch des Gese tzes« von dem Halse der Gläubigen genommen, sie hat ihnen dafür aber ein geistiges drückendes Joch auferlegt.« Nach all dem aber wird die Frage lauf: H at der Rabbinismus das auch getan? Hat er es mit all seinen mikrologischen Vorschriften getan? oder haben nicht gerade diese Mikrologien vor viel Schlimmerem bewehrt? Kennt das Judentum außer der rein-monotheistischen, universalistischen Idee des Monotheismus einen geistigen Zwang, ein geistiges Joch? — Sind seine »Versteinerungen« solcher Art, daß sic wider Logik und Vernunft streiten 16*