Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 8)
- Language
- German
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Besprechungen. 241 sagen, daß die Bahn für das Christentum das Judentum gelegt hatte und die »Herrschaft des Christentums als Weltreligion nicht als ein Zeugnis seiner inneren Größe dargestellt und der äußeren Schwäche des Judentums triumphierend gegenübergesteliU werden darf (Eschelbacher »Das Judentum im Urteile der modernen protesi. Theologie«, S. 49). Die Synagoge ist also nicht allein die »ureigenste Schöpfung der griechischen Diaspora« (S. 53). Es ist auch gar nicht richtig, daß (S, 56.) unter den widergesetzlichen »Heiligtümern« in Egypten Synagogen verstanden sind. Widergesetzlich war der Bau eines »Beth ha-Mikdasclu oder einer »Bimah« im Auslande. Egypten hatte, wie die neuesten Ausgrabungen beweisen, immer Tempel und Opfersätten, nicht aber Synagogen. In Babylonieu hingegen haben die Propheten die Errichtung von Opferstätten und Tempeln verhindert; es entstanden Synagogen, Das klassische Land der Synagogen ist Babylonien, (s. Funk: Juden in Babyl. I., S. 97—102). Das Judentum hat aber auch die Synagoge nicht als Schwer• punkt der Religion betrachtet, sondern die Familie. An Stelle des Altars ist der Familientisch getreten (Chagg. 27a). Die Schilderungen, welche Philo von dem synagogslen Gottesdienste in der Diaspora gibt, zeigen deutlich und klar, daß esdie auch von de n P h a r isäern aller Tage und Zeiten geübte und geliebte Ausiegung der Heiligen Schriften war, weiche die damaligen Andächtigen an den Sabbathen in den Synagogen beschäftigte. »Denn eiiier der Erfahrensten trägt hier die schönsten und nützlichsten Lehren vor, durch welche das menschliche Lehen auf das vorzüglichste gefördert wird. Denn es gibt unter den zahlreichen Satzungen zwei Hauptlehren: die eine bezieht sich auf die Gottheit und behandelt die Frömmigkeit und Seligkeit, die andere auf die Nebenmenschen, welche Menschenliebe und Gerechtigkeit zum Inhalt hat, jede der beiden zerfällt in eine Menge von über jedes Lob erhabenen Ideen. (Philo, De septen. II, 282.) Die Vorlesung des Gesetzes, seine Auslegung und Erklärung macht sie »gesetzeskundig.« Die Synagogen waren Lehrhäuser; und das sind sie von der Zeit der Zerstörung des Tempels an gewesen; die Lehrhäuser sind das ganze Leben, sind von da ab weit mehr, weit höher als die Bethäuser. Und so ist es auch geblieben. — Nebenbei soll bemerkt werden, daß es durchaus nicht sicher ist, daß die בתי כנסיית של עמי ד.#רץ wirklich nur die »Synagogen« des Landvolkes »und nicht vielmehr auch die Versammlungsplätze des Pöbels« sind. Zugegeben muß werden, daß es einen Unterschied zwischen der rechtgläubigen und radikalen Synagoge der Diaspora gegeben haben mag und daß die allegorische Schriftauslegung Monatsschrift. 53. Jahrgang.