Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 7)
- Language
- German
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240 Besprechungen. Beweise für die Merkwürdigkeit der Predigten Jesu anführt. Daß übrigens die Wanderprediger in den Bethäusern auch der Pharisäer Vorträge gehalten haben, ist aus mehreren Berichten ersichtlich, (Sabbat 31b, 88a, Sanhedr. 70a, 113a, Chullin 17b, Bab. k. 52a). Und was soll es heißen, wenn man den Psalm 15 (Ps. 24, 3—7) als einen Beweis dafür anführt, daß damals von Gesetzlichkeit und Pharisäismus keine Spur vorhanden gewesen sei und behauptet: »Gewiß, auch der Pharisäismus preist alle diese schönen Tugenden — aber in ihnen den Kanon der Religion zu sehen wird er sich kaum verstehen kör.־• nen. Zu einem solchen gehören noch viele andere Dinge, die erst den Menschen zum Juden machen«. Was soll das heißen? Und warum hätte man gerade diesen Psalm zum Tagesp s a I m des ersten Wochentags im Tempel gemacht? Gesteht denn F. nicht zu, daß das Christentum gerade solange diese weitumfassende Universalität in der Theorie wenigstens besaß, solange der prophetische, also jüdische, Vorrath von Ideen noch ausreichte und die pharisäische Tugend und Sittenlehre seine Ideale waren; und daß es die Weltherrschaft erst dann antrat, als es sich des reinmonotheistischen Ideals völlig begab? Die Diasporaschilderung F.s mit dem Weltensabbath ist wirklich ideal; sie entspricht auch den Tatsachen, aber aus diesem Ideale kann kein Schwert gegen den Pharisäismus geschmiedet werden. Gerade die Hauptgewährsmänner, Josephus und Philo, die klassischen Kronzeugen, sprechen dafür, daß es keine anderen als auch die den Pharisäern teueren Ideale waren, die das Wunder der gewaltigen Propaganda in der Diaspora vollbrachten. »Das Wunderbarste ist, daß das Gesetz vermöge der ihm innewohnenden Kraft, ohne äußere Reizmittel, diese Siege errungen hat. Und wie Gott die ganze Welt durchdringt, so ist das Gesetz zu allen Menschen gedrungen« <c. Ap. II, 39). Und wenn Philo (Vita Mos. II, 67 f), davon erzählt, daß es Sitte war, insbesondere am siebenten Tage zu philosophieren, die von den Vätern ererbte Philo״ sophie zu pflegen und diesen Tag der Erforschung und Betrachtung der Natur der Dinge zu widmen, so schließt das nicht aus, sondern vielmehr ein, daß diese Sitte eine uralte, überlieferte und gewohnte war; selbstverständlich wird jetzt die griechische Philosophie in die Sabbathvorträge hineinbezogen ganz so, wie später die Wissensergebnisse späterer Zeiten ebenfalls zum Gegenstände der Betrachtung gemacht wurden und heute die heutige Wissenschaft in die Sabbathbetrachtung einfließt. — Ich will damit die hohe Wichtigkeit der Diasporasynagoge durchaus nicht leugnen; aber auf Kosten der pharisäischen Moral und Tugend kann sie nicht gepriesen werden. Ich will auch durchaus dem Gesetze nicht das Wort reden, sondern nur