Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 6)
- Language
- German
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Besprechungen. 239 richten, daß der ganze siebente Tag vom Morgen bis zum Abend mit der Auslegung des Gesetzes und mit Gebet ausgefüllt war, so stimmt das ganz gewiß mit dem Betragen der zeitgenössischen pharisäischen Kreise überein, so wie es mit dem der heutigen, tief verachteten strenggläubigen Juden übereinstimmt, die den Sabbath wirklich fast ganz teils im Gebete, teils im eifrigsten Studium der Lehre, und zwar nicht nur des ritualgesetzlichen Teiles, sondern gerade des ethisch-religiösen zubringen, wie denn das von Philo entworfene Bild der Sabbathfeier ganz genau mit der seit urdenklichen Zeiten bekannten Art, diesen Tag zuzubringen, übereinstimmt Das zeigen deutlich alte Berichte. Und nicht anders darf z. B. auch eine Stelle verstanden werden, wie (Jalk. nach Abkir Anfang ויקהל): »Berufe große Versammlungen ein und trage der Gemeinde die Sabbatvorschriften vor, damit die späteren Geschlechter leinen, allsabbatlich Versammlungen einzuberufen, um Israel zu belehren u. s. w.«, vgl. auch Midr. Sch. T. zu Ps. 139: »Der Sabbat ist der Lehre geweiht, dem Studium der Thcrah und der Propheten«. Wir haben nicht einmal ein Recht, daran zu zweifeln, daß in den Tagen der Propheten an Sabbath- und Neumondtagen in öffentlicher Versammlung Gebete verrichtet und Vorträge gehalten worden sind (Vgl. Zunz: Gottesdienst!, Vortr. S. 2. jes. 1, 12—15) und dürfen atmehmen, daß diese Sitte niemals aufgehört hat in Israel; keinesfalls aber ist es etwas gerade die hellenistische Diaspora Auszeichnendes und Unterscheidendes, daß die jüdischen Pharisäer nicht damit verglichen werden könnten. Die Kluft zwischen Diasporajudentum und Pharisäismus muß natürlich möglichst groß gemacht werden, damit keine Brücke über den Jordan führen könne und der große Überwinder des Gesetzes, Jesus, den Eroberungszug durch die Welt antreten könne. — Es ist ganz unglaublich, wie ein Mann wie F., der die Schäden und Schwächen der Weltkirche mindestens ebensogut kennt wie die des Pharisäismus, noch immer so schreibt, als glaubte er wirklich daran, daß die Freiheit vom Gesetze allein dem Christentum den Weg gebahnt hätte und nicht vielmehr die gewaltigen, politischen Mächte. Übrigens ist nirgendwoher ein Beweis dafür zu erbringen, daß in der Diaspora trotz Hellenismus und Philosophie anderes gelebt und gelehrt worden wäre als in Palästina. Die Religion der Diaspora ist keine andere als die der verpönten Schriftgelehrfen. Und Schriftgelehrte waren es gerade, die in Synagogen und Versammlungen hinreißende Predigten hielten; wogegen der bekannte Ausspruch nichts vermag: »denn er predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten« (Mt. 7, 28—29 Mc. 1, 21—22). Denn das ist klare Tendenz, wie so vieles andere, was F. aus den Evangelien als