Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1909-01-01
Page
Seite 237 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829819-2829822-2888972--36960-2889094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Besprechungen. 237 sich gesetzestreue, gesetzesfreie oder gesetzesgegnerischc Synagogen! Die Synagoge wirkte so sektenbildend, ln ihr herrschte Lehr* freiheit. Um die Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts war »jegliches Land und jegliches Meer von Juden erfüllt«; von einem Pharisäismus aber war damals in Judäa selbst noch keine Spur vor* handen. Die allsabbatlichen gottesdienstlichen Versammlungen, die in den am siebenten Tage weitgeöffneten Synagogen vom Morge?; bis zum Abend abgehalten wurden, waren dem »Philosophieren« und der Erhebung gewidmet, Die belehrenden Vorträge hielten die »Erfahreiien« der Gemeinden. In vielen Diasporasynagogen bildete ’der Messias den Gegenstand eingehender Erörterungen. Die gesetzestreuen Synagogen erwarteten einen himmlischen Messias, der das zerstreute Israel sammeln und in die Heimat zurückführen sollte, wohin alle Völker der Welt wallen und auf Zion geme ins am mit Israel den einzigen Gott anbeten sollten. Die gesetzesfreien und gesetzesgegnerischen Synagogen erwarteten »die große Dynamis« oder den Logos, der dem Menschen die Erkenntnis des höchsten unbekannten Gottes erschließen werde. — Andere Sekten, wie die Nazaräer, erwarteten von dem Christ die Erfüllung des Gesetzes und die Erlösung von Sünden. Sie sehen in ihm den leidenden, für die Erlösung der sündigen Menschen Schmach und Schimpf duldenden und sich opfernden Messias. Das war das Messiasideal der Gemeinde Jesu. Im Zeitalter Jesu war alles so vorbereitet, daß die Diasporasynagoge in Judäa selbst den Vorstoß gegen den Pharisäismus wagen konnte. Die Bewegung, die eine messianische war, kam von jenseits des Jordan. Dort waren die Nazaräer zuhause. Dort war auch die Heimat der Ebioniten, die von den Nazaräern ihren Ausgang nahmen, die ihrerseits in der sogenannten Dekapolis, diesen sehr früh hellenisieden Zentren griechischer Kultur, zuhause waren. Die religiöse Bewegung, aus der das Urchristentum hervorging, kam aus Peräa, In den Diasporasynagogen von Peräa und Galiläa lehrte Jesus, bis er schließlich nach Jerusalem ging, »um durch seinen Opfertod an geheiligter Stelle seinem Evangelium die göttliche Sanktion, zu sichern.« Die weitverzweigte nazaräische Gemeinde sah nach seinem Hingang in ihm den Messias. Am reinsten bewahrte sein Bild die urchristliche nazaräische Gemeinde, die den Menschen Jesus zum Messias emporwachsen und für die sündige Kreatur sich opfern gesehen. Das Christusbild der Kirche ist ein Produkt der Kompromisse, wie sie selbst durch Kompromisse mächtig geworden ist, Jesus dem Vorbilde des Pharisäismus folgend. Die Methode, die der Pharisäismus befolgte, wandte die Kirche im großen Stile an. Wie der Pharisäismus »Zaun auf Zaun« um das Gesetz zog, so hat der Katholizismus das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.