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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 236

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1909-01-01
Page
Seite 236 (sequence 3)
Language
German
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236 Besprechungen. ein Judentum aber, das sein Merz, unbeschadet seiner religiösen Überzeugungen, der Weltkultur weit geöffnet, das sich seine Heimat unter den Völkern, deren Boden es mit seinem Herzblut düngen und befruchten hilft, nimmer streitig machen lassen will; für ein solches Judentum ist er ein Verhängnis, das umso tragischer, als der wahrhaft moderne Jude sich äußerlich zu ihm bekennt, ohne ihn zu kennen, im guten Glauben, daß er mit seinem Denken und Fühlen zusammenstimme, während ihm andererseits sein stark ausgeprägtes monotheistisches Gewissen verbietet, die herrschende Religion anzunehmen«. Wo ist das Verhängnis? Ich gebe zu, daß die Gesetzlichkeit vielen modernen Juden unbequem und unanneSimbar erscheint und es ein Glück wäre, wenn unter Zustimmung a 11 er Erleichterungen und Erweiterungen erfolgten; es ist aber nicht die Schuld des »Pharisäismus«, wenn die modernen Juden ihn nicht kennen und noch weniger ist es ein Verhängnis für ihn, sondern ausschließlich für die »herrschende Religion«, wenn ein stark ausgeprägtes monotheistisches Gewissen sich gegen sie auflehnt. Von dem doch unstreitig vorhandenen, trotz »Weltkultur« wachen nationalen Gefühle ganz abgesehen, das sich aus dem Herzen von Hunderttausenden von Juden nicht, tilgen läßt. Nun aber endlich zur Sache, von der uns nur der Verfasser selber durch seine tendenziösen Vorworte und Einleitungen abdrängt, die man aber, weil »gebildete Leser« oft nicht über sie hinauskommen, nicht unbeachtet lassen darf. Der Verfasser behandelt in VII Abschnitten folgende Themata: L Die Sabbathruhe in der griechischen Diaspora (14 — 52). II. Die Synagoge (53—78). III. Ein Christuskultus vor Jesus (79—123). IV. Jesus und die Nazaräer (124—156). V. Das Christusideal der nazaräischen Gemeinde Jesu (157—184). VI. Spaltungen in der urchristliehen Gemeinde (185—212). VII. Synagoge und Kirche (213—241). Er sucht mit der bei F. bekannten, umfassenden und beredten Art zu beweisen, daß die Synagoge nur in den Zentren griechischer Kultur entstanden sein könne, an deren Brüsten die Diasporajuden' mit durstigen Zügen sogen. Die Synagoge ist älter als das pharisäische Gesetz. Alle Diasporasynagogen waren frei von der pharisäischen Verengung des Gesetzes; erst nach den Makkabäersiegen kommt der Pharisäismus als Reaktion gegen den stark fortgeschrittenen Assimilisierungsprozeß auf; er reicht aber nicht über Judäa hinaus. Der apokalyptischen Literatur gilt zwar, wie der Diasporasynagoge das Gesetz für heilig und göttlich, aber von den pharisäischen »Zäunen um das Gesetz« weiß sie nichts, Je nach dem philosophischen Bildungsgang, den die Gemeinde oder ihre geistigen Führer besaßen, bildeten

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