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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 235

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1909-01-01
Page
Seite 235 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 235 sich nicht schuldig machte, im Widerspruche mit dem freilich phari« säischen Grundsätze, daß man sich durch Herabsetzung der Ehre seines Nebenmenschen nicht erhöhen und seinen Bruder in der Öffentiichkeit, selbst wenn man ein Recht dazu hätte, nicht beschämen dürfe. — Auch in diesem* Buche tritt F. wieder als Apostel auf, was ihm niemand verwehren kann; es klingt aber in einem Wissenschaftliehen Werke recht eigentümlich, wenn der Verf. sagt: »allein es ist nicht meines Amtes mildernde Umstände zu seinen (des Pharisäismus) Gunsten geltend zu machen. Meine Aufgabe ist es vielmehr, ihn zu charakterisieren, den Finger auf die Wunden zu legen, die er dem Judentum für alle Zukunft geschlagen.« — Von einem Amte und einer so gerichteten Aufgabe kann hier die Rede nicht sein. Kein anderes Amt und keine andere Aufgabe erwächst dem Forscher, als die Wahrheit ohne Zorn und Eifer zu ermitteln. Die apostolische Begeisterung und lästige Zudringlichkeit, welche in die Speichen des Geschichts- und Schicksalsrades eingreifen möchten, wirken abstoßend; und dies umsomehi, je tiefer sich F, vor den ihn niederzwingend erscheinenden Mächten beugt. Wenn man »das Wohlwollen unbefangener Fachgelehrten und die Beachtung gebildeter Leser« für sich in. Anspruch nimmt, dann muß man auch Wohlwollen gewähren. Allerdings; F. konzediert diesesmal wenigstens eines; er sagt: »für ein in seiner Vergangenheit lebendes Judentum, das seinen Aufenthalt unter den Völkern für einen vorübergehenden ansieht, ihn als eine göhliche Strafe, als eia Exil empfindend und mit hoffender Seele des Messias harrt, der es wieder aus der Knechtschaft befreien und in seine Heimat zurückführen werde, damit es sein vor nahe zweitausend Jahren unterbrochenes nationales Leben, in dessen Erinnerung es noch schwelgt, unverändert fortseizen könne, für ein solches Judentum ist der Pharisäismus die denkbar beste Religionsform. Denn er gewährt nicht nur dem Gemüte reiche Nahrung, regt nicht nur unausgesetzt zu einem gesetzesfrommen und sitteureinen Lebenswandel an; er beschäftigt auch den Geist, hält den Verstand durch seine endlosen mikrologischen Untersuchungen über alle nütz* liehen Bestimmungen des Gesetzes in steter Spannung und schürt das Flämmchen des nationalen Empfindens«. In diesem zurückhaltenden Lobe liegt so viel des Guten, daß zu tun nicht viel mehr übrig bleibt; denn mehr als ein »sittenreines Leben* verlangt keine Religion. Das ist aber gerade genug, um die Arbeit aller Menschenerzieher seit Urbeginn bis heute zu erschöpfen und die Geister aller Denker zu bewegen. Und wenn der Pharisäismus das zuwege gebracht hat, und er hat es, dann hat er seine Aufgabe erfüllt. Umso weniger verstandlieh ist aber dann der Nachsatz des zitierten Lobes, nämlich : »Für

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