Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1909-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829822-2888972--36957-2889091- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M. Fri ediaen der. Synagoge und Kirche in ihren Anfängen. Berlin, Georg Reimer 1908. XXII und 247 S. Zwar ist eine Verständigung »mit Leuten«, zu denen auch der Referent gehört, nicht möglich, wie der Verfasser meint, und ich könnte mir füglich die Mühe ersparen, über das neueste Buch F.’s zu berichten. Er verwahrt sich in dem Vorwort gegen den Vorwurf, daß ihm das Verständnis für eine richtige Beurteilung des Pharisäismus fehle und sagt: »Und das wird mir, der ich im Pharisäismus erzogen, der ich ihn von seiner edelsten und gemüttiefsten Seite kennen gelernt und ihn bis ins Jünglingsalter gelebt habe, von heutigen Rabbinern vorgeworfen, von Rabbinern, die seine Bekanntschaft zumeist erst in den Rabbinerseminarien machen und ihn im Schweiße ihres Angesichts auswendig lernen«. Nach dieser Pauschalabfertigung, die eines Gelehrten vom Range Friedlaenders unwürdig und in jedem Betracht ungerechtfertigt ist, hätte ich als Rabbiner das Recht, ihm gebührend zu antworten. Ich unterlasse es, weil ich überzeugt bin, daß seine Feder von Verbitterung geführt ist. Ich gehöre nicht zu den »heutige n Rabbinern«, die den Pharisäismus erst in Seminarien im Schweiße ihres Angesichtes auswendig lernten, sondern habe ihn, ganz wie F, »von seiner edelsten und gemüttiefsten Seite« in einem Rabbinerhause kennen gelernt und gelebt, in welchem Talmud Und Thora, Moses und die Propheten ebenso geliebt und gepflegt wurden wie Plato und Aristoteles, Goethe und Shakespeare. Ich sage das auch im Namen hunderter Kollegen, die F. in seinen Büchern überall in unverantwörtlicher Weise anfährt und vor der Öffentlichkeit herabsetzt; ich sage es mit der Tiefsten sittlichen Entrüstung und Empörung darüber, daß Friediaender die Rabbiner den protestantischen Forschern preisgibt und sich aus seinem »gemüttiefsten Pharisäismus« nicht wenigstens soviel gerettet hat, daß er diesen Chillul ha-Schem in des Wortes ursprünglichster Bedeutung vermied und moralischen Todschlags