Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 224 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829822-2888970--36945-2889081- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
224 Die Stellung des Simon Duran in der jüd, Religionsphilos. trollieren kann1). Wenn die Kirchenväter Hieronymus, Augustin und Gregor die Verbindlichkeit der biblischen Gesetze bestreiten, indem sie ihnen eine allegorische Deutung geben, so zeigt Duran, wie unbegründet und töricht dieses Verfahren sei, und zu welchen Ungereimtheiten es führe. Dem Hieronymus macht er es noch besonders zum Vorwurf, daß er in seiner lateinischen Übersetzung den Bibeltext vielfach entstellt und gefälscht habe2). Aus dem Glauben an die Göttlichkeit der Thora, zu dem die Christen sich bekennen, ergibt sich aber auch schon von selbst die Unhaltbarkeit ihrer Behauptung, daß unsere Thora aufgehoben und durch eine andere ersetzt worden sei, . da das Göttliche seinem Wesen nach unveränderlich sei. Um sich dieser Konsequenz zu entziehen, lehren sie freilich, daß unsere Thora mangelhaft und unvollkommen gewesen und erst durch Jesus vervollkommnet worden sei; sie nennen die Lehre Moses eine Kinderiehre, die nur auf die äußeren Handlungen gerichtet sei, die Lehre Jesu aber eine Lehre des Glaubens. Allein wenn sie die Unvollkommenheit der Thora darin finden, daß in ihr die Lehren der Trinität und der Menschwerdung nur dunkel angedeutet seien, so daß die Augen der Juden noch immer wie von einem Schleier verhüllt seien, so bedarf das keiner weiteren Widerlegung, da diese Lehren ja von uns verworfen werden. Ebenso werden die gegen die gesetzlichen Teile der Bibel erhobenen Einwände mit großem Scharfsinn als völlig unbegründet zurückgewiesen3). Von der Abwehr geht Duran dann zum Angriff über, indem er an 20 Zitaten aus dem Alten Testament nachweist wie die Verfasser des Neuen Testaments die Bibel nicht verstanden und Jesu falsche 0 K. M., S. 8a. ף K. M., S. 10a. 3) K. M., S. 12b. Die Polemik Albos gegen das Christentum (III, cap. 25) weist, namentlich in den älteren nicht zensurierten Ausgaben, manche Berührungspunkte mit diesen Ausführungen Durans auf.