Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 17)
- Language
- German
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Die Stellung des Simon Duran in der jüd. Religionsphilos. 215 Fortdauer der Seele im Volke allgemein verbreitet war, be~ weist u. a. die Erzählung von der Zauberin von Endor, die den gestorbenen Samuel heraufbeschworen hat, und das Beispiel all der Frommen, die für ihre Religion in den Tod gegangen sind, was sie doch nicht getan hätten, wenn sie nicht an einen Lohn für dieses Martyrium und demgemäß an eine Fortdauer der Seele geglaubt hätten1). Im Zusammenhang mit dem Glauben an die Fortdauer der menschliehen Seele steht die Vorstellung von dem Gan-Eden und dem Ge-Hinnom, oder dem Paradies und der Hölle, für die Duran als in der Schrift und der Tradition begründet den Klügeleien der Philosophen gegenüber in die Schranken tritt, und in deren Beschreibung er sich fast durchweg an Nachmanides anlehnt2). Wir verzichten auf eine Wiedergäbe dieser Beschreibung, für deren ausschweifende Phantastik sich der Leser wohl kaum interessieren dürfte. Zwar glaubt er daran festhalten zu müssen, daß die Paradiesesfreuden und die Höllenstrafen, der geistigen Natur der menschlichen Seele entsprechend, nicht in sinnlicher, sondern in geistiger Weise zu denken seien; allein er bemüht sich vergeblich, die gläubig aus der Traditionsliteratur übernommenen Vorstellungen mit diesem Grundsatz in Einklang zu bringen. Von dem Paradies, in das die Seelen der Frommen unmittelbar nach dem Tode eingehen, ist, wie Duran im Gegensatz zu Maimonides lehrt, zu unterscheiden die zukünftige Welt, die von Gott erst nach dem Eintritt des Messiasreiches und der Wiederbelebung der Toten wird geschaffen werden8). Wenn in den Tagen des Messias die in der Verbannung lebenden Bekenner des Judentums vereint sein werden, dann wird die Wiederbelebung der Toten und der Tag des großen Gerichts stattfinden. Die Frommen werden, nachdem ihre Seelen in ihre früheren Körper zurück- >) M. A., S. 87 a. Vgl. Kusari I. 115, S. 82 (ed. Cassel). a) M. A., S. 88 a fg. a) M. A., S. 90 b.