Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Stellung des Simon Duran in der jüd. Religionsphilos. 213 diesen zwar überaus scharfsinnigen, aber wenig fruchtbaren und sich vielfach ins Abstruse verlierenden Erörterungen nicht weiter befassen und begnügen uns, als deren Endergebnis das Folgende mitzuteilen: Die spekulative Vernunft stellt sich uns zunächst als hylischer Intellekt dar, d. h. als ein solcher, der, einer unbeschriebenen Tafel vergleichbar, noch aller Vernunfterkenntnisse entbehrt, aber bereit und geeignet ist, diese in sich aufzunehmen. Dann gestaltet sie sich, nachdem sie die Vernunfterkenntnisse in sich aufgenommen hat, der beschriebenen Tafel vergleichbar, zum erworbenen Intellekt Das setzt aber die Existenz noch eines dritten oder des wirkenden lntellekts voraus, der, dem die Schriftzüge in die Tafel eintragenden Schreiber vergleichbar, die im hylischen Intellekt nur der Möglichkeit nach vorhandenen Vernunfterkenntnisse zur Wirklichkeit bringt. Mit aller Entschiedenheit wendet sich Duran gegen die Ansicht des Alexander Aphrodisias, der auch Gersonides unter gewissen Einschränkungen seine Zustimmung erteile, daß der hylische Intellekt eine bloße Anlage sei, als deren Träger die Seele oder ein Teil der Seele, etwa die Einbildungskraft, zu betrachten wäre. Er zeigt, daß diese Ansicht sich Vernunftgemäß nicht begründen lasse, und daß sie mit den Lehren der Schrift, besonders mit der Lehre von der Vergeltung, unvereinbar sei1). Als Träger der Vernunftkraft oder des hylischen Intellekts kann nach Durans Ansicht weder ein Körper, noch die Seele im gewöhnlichen Sinne, noch ein anderer Intellekt angenommen werden; wir müssen als solchen vielmehr diejenige Substanz betrachten, die, nach der Lehre der Kabbalisten den Sephirot entströmend, alles Vorhandene, auch die Himmelskörper an Feinheit und Lauterkeit übertrifft. Diese Substanz, die von uns als נשטה bezeichnet wird, ist es, durch die sich der Mensch vom Tiere J) M. A., S. 82 b.