Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829822-2888970--36930-2889066- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Stellung des Simon Duran in der jüd. Religionsphilos. 209 von der wissenschaftlichen Forschung niemals erreicht, nur einer göttlichen Offenbarung entstammen kann1). 8. Wäre die Thora nicht eine göttliche Offenbarung, so wären Daniel und seine Freunde und so viele andere, die sich um ihretwillen der Gefahr des Todes aussetzten, nicht durch Wunder gerettet worden, wie auch nur der Glaube an die Göttlichkeit der Thora so vielen die Kraft verliehen hat, das über sie verhängte Martyrium zu bestehen. 9. Alle Verkündigungen, die in der Thora an Israel ergangen sind, die Glück wie die Unglück verheißenden, sind eingetroffen2). Wie für die Göttlichkeit der Thora oder der schrittliehen Lehre tritt Duran auch für die Göttlichkeit der Tradition oder der mündlichen Lehre ein, indem er besonders gegenüber den Einwänden der Karäer den Nachweis führt, daß auch sie, ebenso wie wir, schon für das richtige Lesen des Bibeltextes und für das Verständnis des einfachen Wortsinnes einer Überlieferung nicht entbehren könnten. Ferner wird schon in der Thora auf eine mündliche Auslegung des Gesetzes hingewiesen, durch deren Kenntnis wir allein im Stande sind, die zahlreichen uns in den späteren biblischen Schriften scheinbar entgegentretenden Widersprüche mit dem Gesetz der Thora zu beseitigen. Er zeigt dann, zu welch unsinnigen Gesetzesauslegungen die Karäer durch die Verwerfung der rabbinisehen Tradition gelangt seien, und daß sich mit der Zeit auch bei ihnen eine Tradition herausgebildet habe, die für sie maßgebend geworden sei3).!) Vgl. Kusari II, 64, S. 164 (ed. Cassel). 2) M. A., S. 30a—30 b.' 3) M. A., S. 30 b, 31b. Neben den Sadducäern und den, wie er annimmt, aus ihnen hervorgegangenen Karäern führt Duran noch eine dritte Sekte an, von der er sagt: והכת השלישי הוא כת ה מ ש ו ע מ ד י ם הנכנסים בהיר המעמודיה ופי׳ משועמדים מפני האמונה חנקרא מעמודיה והעובדים ע״ז היו נקראים משומדים מפני שנתנכרו מעשיהם לאביהם שבשמים וכו׳־. Offenbar folgt Dnran hier dem Kusari (III, 65, S. 284, ed. Cassel), dem er auch sonst manches die Begründung der Tradition Betreffende Monatsschrift, 58. Jahrgang. 14