Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Stellung des Simon Duran in der jüd. Religionsphilos. 201 diese erreicht, zur Vollkommenheit gelangt Diese Kraft ist es, die zur Fortdauer bestimmt ist und die demgemäß, wenn sie die Vernunfterkenntnis nicht erreicht, auch von der Fortdauer ausgeschlossen ist1). Darum leitet Duran die Darlegung seiner eigenen Ansicht mit einer Ausführung über das Wesen und Geheimnis der menschlichen Seele ein, die er als die Lehre derjenigen Weisen bezeichnet, die, von fremder Wissenschaft unberührt, der prophetischen Überlieferung gefolgt seien. Die Seele des Menschen, so sagt er, ist im Unterschied von der der Erde entstammenden Tierseele gleich der Form der Engel eine dem Gottesgeist entstammende, (vom Stoff) getrennte Form, die beim Beginn der Schöpfung von Gott geschaffen wurde und nicht bei der Geburt jedes Menschen stets von Neuem geschaffen wird. Wäre die Menschenseele nicht eine für sich bestehende, getrennte Form, so hätte Hiob, der als ein Diener Gottes, wie er vor und nach der über ihn verhängten Prüfung genannt wird, doch sicherlich an der Wiederbelebung der Toten nicht gezweifelt hat, nicht wiederholt den Wunsch ausgesprochen, lieber nicht geboren worden zu sein. Das erklärt sich nur unter der Voraussetzung, daß er geglaubt hat, die Menschenseele sei eine dem menschlichen Individuum von obenher verliehene, getrennte Form, die einen ewigen Bestand habe, auch wenn der Mensch nicht geboren würde. Dann bedeutet der Wunsch, nicht geboren zu sein, nicht einen Verzicht auf die ewige Existenz überhaupt, sondern nur auf die Vervollkommnung, die der Menschen-־ seele durch das Erdenleben zuteil werde. Von dieser Anschauung ausgehend, haben auch unsere alten Weisen den Ausspruch getan, daß es für den Menschen besser wäre, nicht geboren als geboren worden zu sein. Das ist die Ansicht vom Wesen der Menschenseele, zu der jeder Thoragläubige sich bekennen muß, denn der Glaube an eine Wiederbelebung der Toten setzt voraus, daß dieselbe 1j Das, S. 29 a.