Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Stellung des Simon ben Zemach Duran in der Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 2)
- Language
- German
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200 Die Stellung des Simon Duran in der jüd. Religionsphilos. gleichmäßig, sondern je nach dem Maße ihrer Vernunft״ begabung und ihrer menschlichen Vollkommenheit zugewendet. Ein Individuum, das sich von der dem Menschen erreichbaren Vollkommenheit nichts angeeignet hat und sich demgemäß vom Tier nicht unterscheidet, ist deshalb auch von der Fürsorge der göttlichen Vorsehung ausgeschlossen und gleich dem Tier dem Zufall unterworfen. So trägt der Sünder selbst die Schuld daran, wenn Gott nach dem Ausdruck der Schrift sein Antlitz von ihm abwendet (Deut. 31, 17) und sein Geschick allen Fährlichkeiten des Zufalls überläßt. Mit dieser weiteren Ausführung der maimonidischen Vorsehungslehre kann Duran sich nicht einverstanden erklären. Daß Jemand, der es unterlassen hat, sich die Vemunfterkenntnisse anzueignen, demselben Schicksal wie der ärgste Sünder unterliege und gleich diesem von der Fürsorge der göttlichen Vorsehung ausgeschlossen sei, das will ihm ebensowenig vernunftgemäß erscheinen wie das dieser Ansicht zu Grunde liegende Prinzip über die Art, wie das Walten der göttlichen Vorsehung zu stände komme1 2). Wäre das Walten der göttliehen Vorsehung, wie Maimonides und Gersonides lehren, nur von der Vernunfterkenntnis des Menschen bedingt, so würden seine Handlungen für die Vergeltung überhaupt nicht in Betracht kommen, was mit der Schrift und der Tradition in unvereinbarem Widerspruch steht5). Maimonides und Gersonides, so meint Duran, sind zu dieser Auffassung gelangt, weil sie von einer irrigen Ansicht über das Wesen der menschlichen Seele ausgegangen sind, die von Maimonides nur leise angedeutet, von Gersonides aber offen ausgesprochen wird. Nach ihnen ist die menschliche Seele zuerst eine über die tierische oder empfindende Seele sich erhebende Kraft, die mit der Fähigkeit zur Vernunfterkenntnis ausgestattet ist und je nach dem Maße, wie sie ף E. Hk., cap. 18. 2) E. Hk., cap. 19, S. 28 a.