Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 29)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jab?11. 157 Auch habe ich nicht die geringste Furcht. . . . Bellois [sein Diener] betet; mein Friseur hat Messen für mich lesen lassen; meine Magd geht täglich dreimal zur Kirche; ein Jude gab den Armen seiner Nation Almosen, in der Synagoge für mich zu dem Gott Abrahams, Isaacs und Jacobs zu flehen, und er mit seinem ganzen Hause fastet drei Tage«. Aber wie viel war noch zu tragen, wie viel zu verlangen in einem Zeitalter, in dem der deutsche Jude doch immer nur ein Schutzjude war. Wie sehr der Einzelne und die Gesamtheit auf die persönliche Geneigtheit der Hochstehenden und Beamten sich angewiesen sahen, das ergibt sich beispielsweise aus einer charakteristischen Druckschrift, die sich in der Großherzoglichen Hofbibliothek in Darmstadt befindet Es ist ein »Lob- und Dank-Lied«, das anläßlich der glücklich vollbrachten russischen Reise und Rückkunft der »Großen Landgräfin« und zweier ihrer Töchter, von der Darmstädter »Judenschaft angestimmet, und feyerlichst bey Ausgang des Sabath, in der sehr erleuchteten Synagoge, abgesungen wurde. Aus dem Hebräischen in das Deutsche übersetzt. Darmstadt, Den 26. December 1773«. Darin wird auch gebetet, das Gott den Erbprinzen in den Ruhmwürdigen Pfaden seiner Vorfahren leiten wolle, damit er einst »mit eben solcher Gnade und Barmherzigkeit, gleichwie Seine Höchste Glor- und Durchlauchtigste Eltern und Vor- Eltern regieren, und eben so das zerstreute und bedrängte Israelitische Volk mit seinem Stabe sanft und gelinde weiden möge.« Diesen offiziellen Äußerungen schließt sich aber — vor dem Schlußgebete — die notwendige Bitte an: »Der König aller Könige gebe durch seine Barmherzigkeit, dass unsers Gnädigsten Fürsten Herz, auch Dero Geheime und übrige Räthe, gütlich in Erbarmung mit uns und allen Israeliten umgehen und Gutes thun mögen, auf dass in unsern Lebenstagen die Hülfe zu Juda und Israel« sei, »die sichere Ruhe«, und »zu Zion die Erlösung«