Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 27)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 155 Lessing,— der Verfasser des Lustspiels »Die Juden«, mit den Endurtheilen: »Zu aller Vergeltung bitte ich nichts, als daß Sie künftig von meinem Volke etwas gelinder und weniger allgemein urtheilen«. — »O wie achtungswürdig wären die Juden, wenn sie alle Ihnen glichen 1« »Und wie liebenswürdig die Christen, wenn sie alle Ihre Eigenschaften besäßen« — Lessing, der Schöpfer: »NathaiVs des Weisen« ist mit seinem geistigen und herzlichen Eintreten für das sittliche und bürgerliche Recht unserer Glaubensgenossen ein Erbe gewesen: er fand in seinem elterlichen Heim, im Pfarrhause zu Kamenz, noch von dem Odem, den sein Großvater, der Kamenzer Ratsherr Theophilus Lessing, in sich genährt hatte: der aber hatte, im Jahre 1669, an der Leipziger Universität: De religionum tolerantia (Ueber die Duldung der Religionen) disputiert1). Meine Leser empfinden wiederum mit mir, daß uns beschieden war: wir sollten der Fürsprecher nicht entbehren. Zumal der Persönlichkeit des Einzelnen wurde, wie wir dies aus früheren Zeiten ersehen haben, Anerkennung und Menschenrecht zu Teil. Vom Hause des Professors des Naturrechts und der Moral an der Mainzer Universität Johann Heinrich Vogt, der von 1749 bis 1789 lebte, eines feinen, selbstdenkenden Kopfes, wird uns erzählt: in dem äußerst ungezwungenen. Leben daselbst habe es sich mehrmals getroffen, »das ein Mönch, ein Jud und ein Protestant miteinander spielten, oder auf der einen Seite ein Krippchen gebaut, auf der andern die Büsten Voltair’s und Verstandes und des Herzens, »einen so beträchtlichen Theil des Menschengeschlechts glücklich er« und für die preußischen »Staaten brauchbarer zu machen־« J) Erich Schmidt: Lessing ... 1. Bd. 2. Aufl. 1899, S. 7. Die Disputation fand vor der Juristenfakultät statt. Hier spreche, sagt Schmidt, nicht nur ein scharfsinniger, sondern zugleich ein freisinnige? Denker. Der Glaube sei Sache der Ueberzeugung, die sich nicht aufzwingen lasse. Die Schrift sei »ein großväterliches Vermächtnis, aus dessen eingeschränkter Fassung der Enkel eine allgemeine Lösung für die gesittete Menschheit folgern konnte«.