Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 26)
- Language
- German
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154 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX.Jahrb. Schrift des Manasseh ben Israel schrieb, da begann er sie mit den Worten: :*Dank sei es der allgütigen Vorsehung, daß sie mich am Ende meiner Tage noch diesen glücklichen Zeitpunkt hat erleben lassen, in welchem die Rechte der Menschheit in ihrem wahren Umfange beherzigt zu werden anfangen«. Mendelssohn schloß aber mit einem ergreifenden Appell an die Juden selbst, dem Zelotismus unter sich zu entsagen : »Wollet Ihr gehegt, geduldet und von Andern verschont sein, so heget und duldet und verschonet Euch untereinander! Liebet, so werdet ihr geliebet werden!« An Lessing, den »philosophischen Dichter« und an Dohm, den Verfasser der Schrift: »Ueber die bürgerliche Verbesserung der Juden«1), den »philosophischen Staatskundigen« erin־־ nerte Mendelssohn : sie hätten »den großen Zweck der Vorsehung, die Bestimmung des Menschen und die Gerechtsame der Menschheit im Zusammenhänge gedacht« und »ein bewundern s würdiger Monarch« ״־-■- Kaiser Josef II., der Schöpfer des . Toleranzedictes, ist gemeint — sei es, der dieselben Grundsätze, nach eigenem Plane, nun durchführen wolle. l) Mit Königl. Preußischem Privilegio. Berlin und Stettin, bei Friedrich Nicolai, 1781. Christian Wilhelm Dohm — 1751 in Lemgo geboren — war seit dem Jahre 1779 Königlich preußischer Kriegsrat, geheimer Archivar und Sekretär in Berlin. Man hat an ihm höchste Wahrhaftigkeit in allen Reden und Handeln, eine seltene Gradheitund Biederkeit gerühmt. (Siehe der! Artikel: Dohm, in der Allgemeinen Deutscheu Biographie.) — Wenige Jahre vor der Abfassung unserer Schrift schrieb Bürger über ihn an Goeckingk: dass er ihm, so viel er ihn kenne, »der ehrlichste, treuherzigste Mensch von der Welt« zu sein scheine. (August Sauer: Aus dem Briefwechsel zwischen Bürger und Goeckingk, in der Vierteljahrsschrift für Literaturgeschichte, 3 Bd. S. 86). — Der Zweck seiner Schrift war, aus der Geschichte zu zeigen »wie die Juden nur deßhalb als Menschen und Bürger, verderbt gewesen, weil man ihnen die Rechte beyder versagt habe«; er wollte die Regierungen der Staaten ermuntern, »die Zahl ihrer guten Bürger dadurch zu vermehren, dass sie die Juden nicht mehr veraniassten schlechte zu seyn!:. Es war ihm gleichmäßig ein inniger Wunsch des