Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 148 (sequence 20)
- Language
- German
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148 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX, Jahrh. meisten* 1), auch die meisten katholischen, Schriftsteller haben diese Auffassung des Zasius zurückgewiesen. Niemand, so sagte man, könne mit Gewalt zu einer Religion gezogen werden. Zu diesen Gegnern der Entsetzen in sich bergenden Behauptung des Zasius gehörte auch ein Mann, von dem ich annehme, daß er in dieser Hinsicht noch nicht seinen Platz in der Geschichte der jüdischen Dankbarkeit angewiesen erhalten hat. Es war dies Cornelius Callidius Loos. Mehrfältig hat sich die Geschichte der Wissenschaften mit ihm zu beschäftigen2): die der katholischen Theologie führt seinen Namen mit sich, freilich nur als den eines höchst streitbaren, fleißigen Gehilfen im Kampf ihrer Anschauungen und Bestrebungen; die der Pädagogik hat ihn als einen Förderer christlicher Jugenderziehung anzuerkennen 3); der Genius der Humanität aber beugt vor ihm sein Haupt als vor einem Helfer im Kampfe gegen den Wahn des Hexenglaubens4־). Loos war zwangsweise getauft werden dürften. Der Erbsünde wegen müßten solche Kinder so schnell als möglich getauft werden. (BL H [2] — H ij [2].) — R. Stintzing: Ulrich Zasius. Ein Beitrag zur Geschichte der Rechtswissenschaft im Zeitalter der Reformation, . . . Basel 1857. S. 113 ff: Zasius Schrift sei in Folge eines strittigen Falles entstanden; er habe sich »unter Berücksichtigung aller erdenklichen Gegengründe« für die obsiegende Meinung ausgesprochen. (S. 114.) S. 120/121: Man dürfe bei Zasius nicht Grundsätze erwarten, die der heutigen Toleranz und religiösen Indifferenz entsprächen. Da die Juden kaiserliche Kammerknechte gewesen, der Uebertritt zum Christenthum zur bürge!״־ liehen Freiheit geführt habe, so sei (Im vorliegenden Falle) die Melnung, die sich für die Taufe aussprach, die humanere gewesen. 1J Beck: Tractatus de juribus Judaeorum, Vorn Recht der Juden, . . . Nürnberg, 1731, Capit. VI, 84. 2) Siehe z, B. meine Abhandlung: Vom Ruhme Johannes Gutenbergs. Eine literargeschichtiiche Studie (in der kleineren Festschrift zur Gutenberg-Feier in Mainz vom Jahre 1900) S. 60-61. *) Siehe meinen Aufsatz: Aus der Geschichte der Zensur im XV. und XVI. Jahrhundert (in der Zeitschrift für Bücherfreunde 1905) S. 486. *) Siehe: Carl Binz. Doctor Johann Weyer, ein rheinischer Arzt