Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1909-01-01 · Heft 2 · p. Seite 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
53 (1909)
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
Date
1909-01-01
Page
Seite 146 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
83% known words query
IRI
…/2829132-2829819-2829822-2888966--36863-2889003
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

146 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. weiterhin, solle man »Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel« geben; im Schweiße ihres Angesichtes, wie es in der Bibel geboten sei, sollten sie sich ihr Brod verdienen. Wenn aber zu besorgen stehe, daß sie, als Diener der Christen, diesen »an Leib, Weib, Kind, Gesind, Viehe« schadeten, so solle man »bey gemeiner Klugheit der andern Nation, als Frankreich, Hispanien, Böhmen« bleiben und sie, unter Belassung ihres rechtlichen Besitzes, aus dem Lande vertreiben, Innerlich beruhte des Reformators Rat darauf: daß man nicht »vor Gott schuldig und theilhaftig« werden dürfte der jüdischen Lügen und Lästerungen gegen Christus, Maria, alle Christen und die Obrigkeit Wenn Luther sich Hoffnung gemacht haben sollte, seine Schrift würde viele Juden von ihrem halsstarrigen Festhalten an den Satzungen ihrer Vorfahren abbringen und mit ihm vereinigen, so hat er sich geirrt, wie auch sein Versuch vom Jahre 1523, nach des Cochlaeus Zeugnis, wirkungslos geblieben ist1). ln Otto Ludwig’s historischer Tragödie »Die Maccabäer« sagt Antiochus : »Uns nennt Tyrannen dieses Torenvolk? Sein einziger Tyrann ist sein Gesetz«. Dieses Gesetz nun, das Gebotswesen, hat die Juden vergangener Jahrhunderte, durch seine Betätigung und sein Studium, durch seine Weisheit, seine Pflichtenlehre, seine Milde, überhaupt seine Ethik, innerlich lebensvoll erhalten, und — man hat wahrlich nicht unterlassen, seinen Lebensodem tödten zu wollen. Das hätte nach der Meinung eines der angesehensten ג) Commentaria joannis Cochlaei, De actis et scriptis Martini Lutheri . . . chronographice . . . conscripta. Apud S. Victoren! prope Moguntiarn .., 1549 : pg. 83 (zum Jahre 1523) : Nec foeliciori auspicio scripsit et ad Judaeos Theutonice, quod Jesus, Deus et saluator noster, natus sit uere Judaeus. Quamuis enim et in eo libello grauissimis Catholicos oneraret calumnijs, multisque blandicijs applauderet Judaeis: Judaeorum tarnen nulluni prorsus ad Christum conuertit, sed magis in Christianos exasperauit, et in Christiariae fidei contemptum incitaios,. in Judaica caecitate obdurauit.«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.