Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 17)
- Language
- German
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Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. 145 recht und wohl getan und Gott gedient zu haben. Der grundlegende Gedanke, der Luther’s unlogische Wut gegen die Juden entfachte und entbrannt hielt, wird von ihm so kundgegeben: Nicht allein der Jude, sondern alle Welt sei »zu wissen schuldig, daß das neue Testament Gottes des Vaters Buch ist, von seinem Sohn Jesu Christo. Und wer dasselbe Buch nicht annimmt noch ehret, der nimmt auch nicht an, noch ehret Gott den Vater selbst. Denn es heißet: Wer mich verachtet, der verachtet meinen Vater. Joh, 5, 23«. Das Beweisstück, das zwingen soll, gehört aber ja gerade dem Neuen Testament an! Die Juden wünschten, nach Luthers, durch nichts bewiesene Behauptung, daß »Schwerdt und Kriege, Angst und alles Unglück über [die] verfluchten Gojim komme. Solch Fluchen treiben sie alle Sonnabend öffentlich in ihren Schulen, und täglich in ihren Häusern, lehren, treiben, und gewöhnen ihre Kinder dazu, von Jugend auf, daß sie ja solten bitter, giftig, und böse Feinde der Christen bleiben«. Auch daß diese Feinde, die Messiashasser, das Blut von Christenkindern vergössen und Brunnen vergiftet hätten, auch dessen beschuldigt sie Luther. Da war es freilich nötig, so unbeugsamem, confessioneilem Hochmute, so schwerer Bedrohung des christlichen Lebens durch einen Rat an die Christenheit entgegen zu wirken. Und so riet denn Luther: Man solle den Juden alle ihre Bücher nehmen: »Betbücher, Talmudisten, auch die ganze Bibel«, nicht ein Blatt solle man ihnen lassen. Denn alles dieses gebrauchten sie zur Lästerung des Sohnes Gottes. Man solle ihre Synagogen verbrennen, man solle ihre Häuser zerstören, denn in diesen trieben sie dasselbe, wie in jenen. Man solle ihnen das Wuchern verbieten, air ihre Baarschaft und ihren Besitz an Silber und Gold ihnen abnehmen. Einem bekehrten Juden aber solle man von diesem Besitze zuwenden, damit er »eine Nahrung für sein arm Weib und Kindlein anfahen möge, und die Alten oder Gebrechlichen damit unterhalte, . . .« Den jungen, starken Juden und Jüdinnen, rät Luther!Monatsschrift, 53, Jahrgang.