Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 53 (1909)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrhundert
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829819-2829822-2888966--36861-2889001- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
144 Zur Geschichte und Beurteilung der Juden vom XV. bis XIX. Jahrh. Papsttum und Päpste; die feindseligen Gesinnungen aber erklären sich nicht allein aus persönlicher Gereiztheit oder nationaler Einseitigkeit. Als eine tiefliegende, mächtig wirkende Ursache kann man wohl die Nichtübereinstimmung in der Bibelerklärung auffassen. . . . Die Nichtannahme seiner Erklärung erschien ihm ebenso fluchwürdig, wie die Verletzung seines Palladiums, [der Bibel]. . . .« Das ist auch der Grundton, in dem die von Justus Jonas so hoch gepriesene Schrift LuthePs »Von den Jüden und ihren Lügen« sich ergeht, braust und zischt. Eine demagogische Arbeit! Die »elenden, heillosen« Juden hörten nicht auf, sagt Luther in ihrem Eingänge, Christen an sich zu locken; deshalb schreibe er noch einmal gegen sie. Der Zorn Gottes über dieses Volk gehe ihm selbst, »durch Leib und Leben«. Die Juden seien »die rechten Lügener und Bluthunde, die nicht allein die ganze Schrift mit ihren verlogenen Glossen, von Anfang bis noch daher [jetzt] ohne Aufhören verkehret und verfälschet« hätten. Es gebe kein blutdürstigeres, rachgierigeres Volk, Von ihrem Hochmuthe, weil Gott durch die Beschneidung einen Bund mit ihnen geschlossen, weil er mit ihnen geredet und ihnen »das Gesetz« gegeben habe, wird gehandelt. Und sie werden weiterhin dahin charakterisiert: Sie seien »aller Bosheit voll, voll Geizes, Neides, Hasses unter einander, Hochmuths, Wuchers, Stolzes, Fluchens wider uns Heyden, daß ein Jude musste sehr scharfe Augen haben, so er sollte einen frommen Juden erkennen, schweige, daß sie sollten allesamt Gottes Volk seyn wie sie rühmen«. Auch die Synagogen kommen auf das Schlimmste weg. Sie seien, tobt der Reformator, »ein Teufelsnest, darin eitel Eigenruhm, Hochmuth, Lügen und Lästern, Gott und Menschen schänden« getrieben werde, »aufs allergiftigste und bitterste, wie die Teufel selbst thun«. In diesem ingrimmigsten Ton und, nach seiner Art, gelegentlich auch derb-obscön ergeht sich Luther weiterhin. Wo sie könnten, übten die Juden gegen die Christen »alle böse Tücke« aus und empfänden, damit